Freitag, 1. Januar 2016

Unsere Kirchen: Evangelische Kirche in Rust

Die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Rust umfasst die Freistadt Rust und die Ortschaften St. Margarethen und Oggau. Tourismus und Weinbau sind die beiden wichtigsten Wirtschaftszweige des Gebiets.

In Rust sind knapp 40% der Bevölkerung evangelisch, das sind 771 Personen.

Die Gemeinde steht in einer großen Tradition. Nach einer ersten Blütezeit 1647 bis 1674 (Bau der heute röm.-kath. Stadtpfarrkirche) wurde sie nach dem Toleranzpatent neu gegründet. Ihr erster Pfarrer danach, Johann Carl Haynoczi, hinterließ der Gemeinde eine wertvolle Bibliothek, die u.a. eines der wenigen Exemplare der ersten evangelischen österreichischen Agende (Chyträusagende von 1571) enthält. Ein Bethaus wurde gebaut, eine Schule errichtet und geführt, schließlich - 1897 - ein Kirchturm gebaut.

Die beachtenswerte Geschichte hindert die Gemeinde nicht daran, für Neues offen zu sein und Veränderung zu wagen. In der Stadt Rust herrscht ökumenische Weite bei gut eingeführten gemeinsamen Projekten. Die Gemeinde und ihre Mitglieder versuchen, auch im sozialen und kulturellen Leben der Stadt eine prägende Rolle zu spielen. Ein engagierter Stamm von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestaltet mit großer - und d geschätzter - Eigeninitiative das Gemeindeleben. Der sorgsam vorbereitete sonntägliche Gottesdienst (9.00 Uhr) und die Gottesdienste für Kinder und Kleinkinder sind Kristallisationspunkte der Gemeinschaft, die auf Gottes Wort hören und es tun will.
 





 

Die evangelische Kirche AB im Burgenland


Kirchengemeinden im Burgenland (von Nord nach Süd):

 

Deutsch Jahrndorf

Zurndorf

Nickelsdorf

Gols
 
Neusiedl am See

Rust

Eisenstadt
 
Sopron

Mörbisch

Pöttelsdorf

Loipersbach

Kobersdorf

Weppersdorf

Stoob

Lutzmannsburg

Bernstein

Pinkafeld

Holzschlag

Oberschützen

Bad Tatzmannsdorf

Unterschützen

Rechnitz

Stadt Schlaining

Oberwart

Markt Allhau

Großpetersdorf

Deutsch Kaltenbrunn

Kukmirn

Eltendorf
 
Neuhaus

Unsere Kirchen: Evangelische Kirche in Sopron

Die Evangelische Kirche liegt im Zentrum der Innenstadt von Sopron (Ödenburg), Kirchengasse 10. Sie ist die drittgrößte evangelische Kirche Ungarns. Die Gemeinde gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn. In Ödenburg/Sopron wurde 1565 die erste evangelische Gemeinde Ungarns gegründet. Ihre Kirche trug den Namen des Erzengels Michael. Sie wurde beim großen Stadtbrand 1676 zerstört. Danach fanden die Gottesdienste zunächst im Stadtpalais der Fürstin Anna Maria zu Eggenberg und in einer Holzkirche statt, bevor 1724 eine steinerne Kirche fertiggestellt wurde. Die heute bestehende Kirche wurde in den Jahren 1782/83 in spätbarock-klassizistischen Formen erbaut. 80 Jahre später wurde im Rundbogenstil der 52 Meter hohe Turm mit achteckiger Laterne angefügt. Aus dem Kloster Kahlenberg bei Wien stammt der barocke vergoldete Holzschnitzaltar mit reichem Figurenwerk (Gottvater, Erzengel Michael, Apostel, Putten). Das Altarbild zeigt Christus am Ölberg. 1884 wurde die Orgel eingebaut. Der Kirchenraum ist durch acht Säulen in drei Schiffe geteilt. In die Seitenschiffe sind jeweils zwei Emporen eingebaut. Das rechteckige Gebäude hat eine Länge von 36 Metern und eine Breite von 24 Metern. Die Kirche verfügt über 2500 Plätze.
 








 

Unsere Kirchen: Evangelische Kirche Neusiedl am See

Vom Toleranzpatent bis zum Kirchenbau

Die kleine evangelisch-lutherische Gemeinde hat heute ihren festen Platz im geistig-geistlichen und kulturellen Leben der Bezirkshauptstadt Neusiedl am See. Das verdankt sie einerseits der Verlässlichkeit und Tatkraft ihrer Mitglieder, besonders ihrer gewählten Mandatare, andererseits aber auch dem erfreulichen Klima der Toleranz, Offenheit und Geschwisterlichkeit seitens der großen katholischen Schwesterkirche und der gesamten Stadtverwaltung.
Die Wurzeln des evangelischen Lebens in Neusiedl sind aber nicht in der Stadt selbst zu suchen, sondern in den evangelischen Dörfern ringsum. So wie in den meisten burgenländischen Bezirken kam es kurz nach dem Erlass des Toleranzpatents durch Kaiser Josef II. , 1781, zu Pfarrgemeindegründungen außerhalb des Bezirkshauptortes. Die für Neusiedl maßgebliche evangelische Pfarrgemeinde war denn auch die Gemeinde Gols, heute noch die größte mehrheitlich evangelisch besiedelte Gemeinde Österreichs. Die paar evangelischen Neusiedler der ersten Stunde waren dementsprechend in ihrem geistlichen Leben, so wie alle übrigen evangelischen Seewinkler, nach Gols und seiner bedeutsamen Pfarrkirche orientiert.
Aber auch westlich von Gols nahm die Zahl der Evangelischen, namentlich durch konfessionsverbindende Eheschließungen und den Zuzug von evangelischen Flüchtlingen aus dem deutschen Osten, stetig zu. So entschloss sich die Pfarrgemeinde, zentral für die Orte Weiden am See, Jois und Winden am See, in Neusiedl eine Predigtstation zu errichten. Unterkunft für die Gottesdienste der Predigtstation fand man in der Neusiedler Hauptschule. Und so sammelte denn schon der ehrwürdige Senior Geistlinger, so wie nach ihm die Pfarrer Klettke und Nußgruber, seine getreuen Gemeindeglieder aus Neusiedl und Umgebung in einem Neusiedler Klassenzimmer auf Schulbänken und Schulsesseln um sich.
Der Bau der neuen Kirche

Auf Dauer konnte das jedoch keine Lösung sein und so tauchte der Plan auf, auch in Neusiedl eine evangelische Kirche zu errichten. 1978 begann das Golser Presbyterium, vehement durch die Superintendentur und den Superintendenten, Dr. Reingrabner, unterstützt, den Plan in die Tat umzusetzen. Der Baugrund für die Kirche in der Seestraße 30 wurde von der Superintendentur angekauft und zur Verfügung gestellt. Aber wer sollte als Bauherr fungieren? Weder die Superintendentur noch das Golser Presbyterium, sondern mit aller kirchlichen Unterstützung – natürlich die Neusiedler selbst! Da ergab sich allerdings ein gravierendes Problem: Eine Predigtstation ist keine Rechtspersönlichkeit, kann also keine Beschlüsse fassen und keine Geschäfte abwickeln. So überlegte man im Golser Presbyterium, entweder einen Bauausschuss für die Neusiedler Kirche einzurichten, oder die Predigtstation zur Tochtergemeinde zu erheben.
Zu Recht erwarteten sich das Presbyterium in Gols und der Superintendent, dass die Evangelischen aus dem Bereich der Predigtstation als eigenständige Tochtergemeinde mehr Engagement zeigen würden, als wenn sie bloß mit einem Bauausschuss konfrontiert worden wären. Und so wurden denn der Kirchenbau und die Erhebung zur Tochtergemeinde gleichzeitig betrieben. Für den Kirchenbau wurden ein Architekt und ein Baumeister gesucht, für die Tochtergemeinde ein sechsköpfiges Presbyterium.
Bereit, Verantwortung für die künftige Tochtergemeinde zu übernehmen, waren unter der Führung von Herrn Michael Boschner von Anfang an: Frau Helga Depauly, Herr Ing. Karl Taschner, Frau Frieda Weissmann, Herr David Nief und Herr Reinhold Reister. Als Architekt konnte Herr Bürgermeister Dipl.-Ing. Hans Halbritter gewonnen werden, mit der Errichtung des Neubaues wurde die Firma Brezina aus Frauenkirchen betraut. Blieb nur mehr die Frage der Finanzierung. Da musste es plötzlich sehr schnell gehen, denn der Gustav-Adolf-Verein, ein kirchliches Hilfswerk, bot an, die Geldmittel aus der Gustav-Adolf-Kindersammlung 1986, in etwa 2 Millionen Schilling ( € 140.000.-), für den Kirchenbau in Neusiedl zu widmen. Damit war der tragende Pfeiler der Finanzierung gesichert.
Bis Weihnachten 1986 wurde der Rohbau der Kirche ausgeführt, am 5. Juli 1987 wurde sie von Herrn Superintendent Dr. Gustav Reingrabner bereits feierlich eingeweiht.
Von der Predigtstation zur Tochtergemeinde
Der Kirchenbesuch in der neuen Kirche, einem Schmuckstück des evangelischen Kirchenbaus in Österreich, war und blieb erfreulich. Die offen gebliebenen Finanzierungslasten wurden weitgehend von den Mitgliedern der Tochtergemeinde selbst übernommen und getragen, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass es auch in der katholischen Schwesterkirche, aus dem Munde des ehrwürdigen Herrn Dechant Dr. Hannes Kohl, einen Spendenaufruf zugunsten unserer neu errichteten Kirche gab. Mit Bescheid des Evangelischen Oberkirchenrates vom 29. September1987 traf die offizielle Bestätigung der Erhebung zur Tochtergemeinde in der Muttergemeinde Gols ein.
 

 

Unsere Kirchen: Evangelische Kirche in Gols

Wie auch im übrigen westungarische Gebiete fasste die Lehre Luthers auch in Gols rasch Fuß. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war Gols bereits rein protestantisch. Im Jahre 1583 kamen der erste evangelische Pfarrer und der erste evangelische Lehrer ins Dorf.  Von 1645 bis 1673 hatten die Protestanten die katholische Kirche in ihrem Besitz. Im Jahr 1730 zählte Gols 226 Katholiken und 1248 Protestanten, obwohl der evangelische Pfarrer und der Lehrer vertrieben und der Glaube verboten war.  Trotz Militärgericht und Jesuiten konnten die Golser ihren evangelischen Glauben bewahren, da in Gols mehrere kleine adelige Grundherren waren, die nach Belieben schalten und walten konnten. Der Kaiser hatte kein Recht auf dieses Gebiet. Nachdem Josef II. im Jahre 1781 das Toleranzpatent erlassen hat, bauten die Golser Protestanten ihre erste Kirche und Schule. 1818 brach ein Großbrand aus, der diese Kirche und Schule wieder vernichtete, außerdem wurden noch zwei Drittel des Dorfes ein Raub der Flammen. Die Kirche und die Schule wurden wieder aufgebaut. 1888 wurde die Kirche mit einem 47 Meter hohen Turm versehen und das bestehende Schulgebäude erweitert. In der evangelischen Kirche befindet sich das einzige Altarbild des Burgenlandes aus der Donauschule. Dieses Altarbild ist gleichzeitig das älteste Altarbild in den evangelischen Kirchen des Burgenlandes. Beachtenswert ist auch die Rokoko - Kanzel, die aus dem Jahr 1735 stammt und somit älter ist als das Gotteshaus. 1975 wurden die wunderschönen Glasbildfenster der Mattersburger Künstlerin Hannelore Knittler-Gsellmann eingebaut, die so ihre erste große Arbeit mit diesen Materialien geschaffen hat.









 

Unsere Kirchen: St. Petri Kirche in Petersburg (Russland)

Die St.-Petri-Kirche in Sankt Petersburg ist die größte lutherische Kirche Russlands und wurde im Stil einer klassizistischen Basilika in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut.
Sie ist heute Bischofskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien und die Kirche der deutschen evangelisch-lutherischen St.-Annen- und St.-Petrigemeinde.
Die St.-Petri-Kirche steht in zentraler Lage am Newski-Prospekt (Nr. 22-24) in Sankt Petersburg.
Die erste lutherische Kirche – eine kleine Holzkirche mit Turm und Glocke – in Sankt Petersburg wurde im Jahr 1704 auf der Peter-und-Paul-Festung als Gotteshaus für die in der Festung dienenden ausländischen Militärs evangelischen Glaubens gebaut.
Neben dieser Gruppe evangelischer Christen bildete sich eine weitere Gruppe am anderen, dem linken Newa-Ufer im Haus der russischen Flotte. Zu ihr gehörten Angehörige verschiedener Nationalitäten, unter denen die lutherischen Deutschen die größte Gruppe bildeten. Sie erhielten im Jahre 1710 vom Vize-Admiral, dem Niederländer Cornelis Cruys (1655–1727) als Geschenk eine Kapelle in seinem Hof – etwa dort, wo sich jetzt die Eremitage befindet.
Durch Erlass vom 27. Dezember 1727 schenkte Zar Peter II. dann der immer größer werdenden Gemeinde ein Grundstück an der „Newskaja Perschpektiva“, dem heutigen Newski-Prospekt. Hier sollten eine Kirche, eine Kirchenschule und ein Pastorat errichtet werden. Die Baupläne erarbeitete der Patron der Gemeinde, Graf Burkhard Christoph von Münnich (1683–1767). Am 29. Juni 1728, dem Gedenktag der Apostel Petrus und Paulus, wurde der Grundstein zu der Kirche gelegt, die am 14. Juni 1730 als Peter-und-Paulskirche eingeweiht wurde. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war die Zahl der Gemeindeglieder stark angestiegen, während allerdings die Kirche immer baufälliger und für die Gemeinde zu klein wurde. Im Jahre 1833 ließ man sie abreißen.
Der Abriss aber erfolgte nicht ohne vorher schon den Plan zu einem Neubau gehegt zu haben: Im Mai 1833 wurde auf einer Sitzung des Kirchenrates der Entwurf von Alexander Brüllow zum Bau der heutigen St.-Petri-Kirche angenommen. Bereits am 21. August 1833 wurde der Grundstein gelegt. Nach fünfjähriger Bauzeit konnte das neue Gotteshaus am Reformationstag (31. Oktober) 1838 eingeweiht werden.
1917, im Jahr der bolschewistischen Oktoberrevolution wurde die Kirche verstaatlicht. Konnten anfangs in ihr noch Gottesdienste stattfinden, wurde sie unter Stalin vollends gesperrt: ausgerechnet am Heiligen Abend des Jahres 1937, so dass keine Christabendgottesdienste mehr gehalten werden konnten. Die Innenausstattung wurde beschlagnahmt und gestohlen.
In der Folgezeit stand die Kirche leer bzw. wurde zweckentfremdet genutzt. In den 1940er und 1950er Jahren waren in dem Gotteshaus verschiedene Lager untergebracht. Dann baute man die Kirche in der Chruschtschow-Zeit zu einem Schwimmbad um, das 1962 eröffnet wurde.
Es dauerte 30 Jahre, bis ein Neuanfang möglich wurde: Am Reformationstag 1992 konnte die Petrikirche wiedereröffnet werden und im Juni 1993 der neugebildeten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS) übergeben werden. Eine umfangreiche Sanierung war notwendig, bis sie schließlich am 16. September 1997 durch Bischof Georg Kretschmar wieder geweiht wurde.
Die am 31. Oktober 1838 eingeweihte St.-Petri-Kirche ist bis heute erhalten. Sie wurde nach den Plänen von Alexander Brüllow erbaut und vereinigt harmonisch das Schema einer romanischen Basilika mit der Formensprache des russischen Klassizismus. Mit damals 3000 Plätzen war und mit ihren 700 Plätzen ist sie heute die größte evangelische Kirche Russlands. Die ehemalige Walcker-Orgel, an der Peter Tschaikowsky durch den damaligen Organisten Heinrich Stiehl Orgelunterricht erhielt, ist allerdings verschollen.
Bei dem Gotteshaus handelt es sich um einen eleganten Bau, der zwar von der Straße Newski-Prospekt zurückgesetzt steht, aber dank seiner Größe sofort ins Auge fällt. Zwei Türme hat die Kirche, die in weißem Farbbild erscheint.
Unter den vielen Kunstschätzen, die das Gotteshaus schmückten, waren zwei Altarbilder besonders wertvoll: das Gemälde von Hans Holbein d. J. (1497–1543) „Jesus mit dem ungläubigen Thomas und seinen Jüngern“, das der Gemeinde 1707 von dem Hofmaler Johann Friedrich Groth geschenkt wurde, und das große Gemälde „Jesus am Kreuz“ des berühmten russischen Malers Karl Brüllow (1799–1852).
In den Jahren 1895 bis 1897 erfuhr der Innenraum der Kirche unter der Leitung des Architekten Maximilian Messmacher eine grundlegende Restaurierung.
Nach Rückgabe der inzwischen zweckentfremdet und sogar als Schwimmhalle genutzten Kirche im Jahr 1993 musste das Gebäude einer umfangreichen Renovierung unterzogen werden. Das Schwimmbecken allerdings gibt es immer noch: Statiker stellten fest, dass der Abriss des Betonbeckens die Stabilität des gesamten Baus gefährden würde. Deshalb wurde das Becken nur mit einem neuen Boden abgedeckt. Darauf stehen nun Bänke und der Altar. Der Kirchenraum ist etwa zehn Meter niedriger als früher.
Unter dem Platz, wo ehemals der Sprungturm stand, befindet sich der Chorraum der Kirche. Hier ist ein kleiner Andachtsraum entstanden, der von dem russlanddeutschen Maler Adam Schmidt ausgestaltet wurde. Er selbst hat die dort dargestellten Szenen miterlebt und berichtet so auf authentische Weise zum Beispiel vom Lager Workuta in Sibirien. Der Andachtsraum soll das Zentrum einer Gedenkstätte werden.
Über dem Altar hängt seit dem 1. Advent 2006 das Gemälde „Jesus am Kreuz“ von Karl Brüllow, das auch schon vor 1917 hier hing. Es handelt sich allerdings nur um eine Kopie, die Sergej Griwa gemalt hat. Das Original befindet sich seit der Entweihung der Kirche im Russischen Museum und ist dort zu besichtigen. Die ehemalige Walcker-Orgel, an der auch Peter Tschaikowsky gespielt haben soll, ist allerdings verschwunden und wurde durch ein Orgelpositiv ersetzt.
Im Jahr 1710 – das Jahr gilt als Gründungsdatum der Petrigemeinde – machte der Vize-Admiral Cornelis Cruys den evangelischen Christen eine Hofkapelle zum Geschenk. Damals war die lutherische Gemeinde zahlenmäßig überschaubar. Viele Gemeindeglieder waren mit den ersten Zaren als deutschsprachige Neubürger gekommen, vor allem Soldaten, viele von ihnen baltischer Herkunft, aber auch Kaufleute aus den norddeutschen Hansestädten sowie Handwerker aus Pommern und Ostpreußen.
Die Gemeinde wuchs ebenso wie die Stadt. Ausdruck dieses Wachstums war die Errichtung der neuen Kirche, die 1838 eingeweiht wurde. Im Jahr 1862 zählte die Petrigemeinde 17.606 Mitglieder. 1909 waren es noch 15.000, aus allen Schichten der Bevölkerung stammend – vom Hofadligen bis zum Handwerker. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Pastoren der Petrigemeinde deutscher Herkunft, danach kamen russischstämmige Pastoren und Absolventen der Universität Dorpat (Tartu) in Estland.
Einen gewaltigen Einschnitt in das Leben der Petrigemeinde brachte das Jahr 1917 mit der Oktoberrevolution. Ein Großteil der Gemeindeglieder floh. Die kirchlichen Gebäude wurden verstaatlicht. Die antikirchlichen Repressalien nahmen immer mehr zu, Verfolgungen und Verhaftungen waren an der Tagesordnung.
Unter Stalin kam das Aus der Kirchengemeinde: 1937 wurde die Kirche geschlossen und zweckentfremdet. Die Pastoren der Petrikirche, Paul Reichert und sein Sohn Bruno Reichert, wurden verhaftet und 1938 erschossen.
In der Chruschtschow-Ära wurde das Gotteshaus Badehalle.
Erst nach 50 Jahren war ein Neuanfang der Gemeinde möglich: Eine kleine Gruppe verbliebener Christen versammelte sich seit 1988 in Puschkin bei Sankt Petersburg, um hier ihre Gottesdienste zu feiern.
Heute ist die kleine 350 Mitglieder umfassende Petrigemeinde wieder lebendig und aktiv. Viele der Gemeindeglieder sind Deutsche aus anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion: Russlanddeutsche, die nach 1990 vor allem aus Kasachstan und Sibirien nach Sankt Petersburg kamen. Auch Christen aus Deutschland gehören dazu, die als Geschäftsleute oder Diplomaten hier wohnen. Viele aber sind auch Russen, denen die orthodoxe Kirche zu eng und nationalistisch erscheint und die die Nähe zum Luthertum suchen. Die Gottesdienste in der St.-Petri-Kirche werden darum zweisprachig in Deutsch und Russisch gehalten.
Nach Verlust der St.-Annen-Kirche hat sich hier die evangelisch-lutherische St.-Annen- und St.-Petri-Gemeinde gebildet, die zur Propstei Sankt Petersburg in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland im Verbund der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und in Mittelasien gehört.