Samstag, 20. Februar 2016

Die Confessio Tetrapolitana


Confessio Tetrapolitana

 

Bekenntniß der vier Städte Straßburg, Costnitz, Memmingen und Lindau, worin sie Sr. Kaiserlichen Majestät auf dem Reichstage zu Augsburg ihren Glauben dargelegt.

 

Eingang


Deine geheiligte Majestät, Großmächtigster und Gnädigster Kaiser, hat befohlen, daß die Stände des heiligen Reiches, so viel es jeden angehe, und so viel jeder zur Beruhigung der Kirche Christi beizutragen hoffe, ihre Meinung von der Religion, so wie von den Irrthümern und Fehlern, welche gegen ihre Lehre sich eingeschlichen haben, in beiden Sprachen, lateinisch und deutsch, schriftlich abfassen und Dir überreichen zur Untersuchung und Prüfung, um desto leichter Mittel und Wege zu finden, die reine Lehre Christi wieder herzustellen, und alle Irrthümer auszurotten.

Diesem Befehl, der nicht nur aus einer, die Religion betreffenden und auf das Wohl der Kirche gerichteten Absicht hervorgegangen ist, sondern auch jene unvergleichliche Gnade und Leutseligkeit athmet und beweiset, wodurch Deine geheiligte Majestät die Liebe der ganzen Welt gewonnen hat, gehorchen wir, wie es billig ist, mit Freuden. Denn wir haben in dieser Angelegenheit nie etwas Anderes gesucht, als daß es nach Abschaffung alles dessen, was im Widerspruch ist mit dem heiligen Evangelium und den Geboten Christi, uns und allen Anderen, die Christum bekennen, frei stehen möge, der reinen Lehre desselben, die allein seligmachend ist, anzuhangen. Daher bitten wir und flehen Deine geheiligte Majestät unterthänigst an, Du wollest geruhen, das, was wir als Grund der Hoffnung, die in uns ist, vortragen werden, mit einer solchen Gesinnung gegen uns anzuhören und zu erwägen, daß Du nicht zweifelst, unser Wunsch und Streben sei allein darauf gerichtet, zuvörderst Gott, unserm Schöpfer, und dem Erlöser, Christo, sodann Deiner geheiligten Majestät, zu Gefallen zu leben und Gehorsam zu beweisen, und die von der üblichen einiger Maßen abweichende Lehre in keiner anderen Absicht und Hoffnung angenommen haben, als weil wir überzeugt sind, so fordere es von uns der, der uns erschaffen und erlöset hat, und weil wir, und zwar wegen Deiner ausgezeichneten, schon längst bei uns gepriesenen Religiosität, Frömmigkeit und Gerechtigkeit, uns versprochen, Du werdest, von der Wahrheit alles dessen, was wir längst als Lehre Christi und lautere Religion angenommen haben, unterrichtet, unser Vorhaben durchaus billigen und uns zu denen zählen, welche Dir mit der höchsten Treue zu gehorchen sich beflissen haben. Denn die hochbelobte Liebe Deiner geheiligten Majestät zur Wahrheit und Billigkeit und Deine heiße Gottesfurcht gestatteten es nicht, auch nur zu besorgen, Du werdest, ohne uns gehört zu haben, ein Vorurtheil gegen uns hegen, und uns daher weniger gütig und aufmerksam anhören, oder nachdem Du uns gehört und unser Anbringen in Gottesfurcht erwogen haben wirst, nicht sogleich unter dem Einflusse des göttlichen Geistes, der in anderen Dingen Deine geheiligte Majestät so glücklich geleitet hat, inne werden, daß wir der eigenthümlichen Lehre Christi gefolgt sind.

Cap. 1. Vom Inhalte der Predigten.


Als man vor etwa zehn Jahren anfing, die Lehre Christi durch Gottes besondere Wohlthat etwas zuverlässiger und klarer, als vorher, hin und wieder in Deutschland vorzutragen, und daher, wie an anderen Orten, auch bei uns über die meisten Lehren unsrer Religion unter den Gelehrten, insbesondere unter denen, welche als Lehrer des Christenthums in den Kirchen angestellt waren, öffentlich und täglich heftiger gestritten, und deßhalb, wie es unvermeidlich war, weil der Satan auch sein Werk trieb, das Volk durch die Streitpredigten auf gefährliche Weise getrennt ward; haben wir, in Erwägung dessen, was der heilige Paulus schreibt, daß die von Gott eingegebene Schrift nützlich sei zu lehren, damit die Sünde, wo sie vorhanden ist, entdeckt und gestraft, und Jeder zur Gerechtigkeit gebildet werde, daß ein Mensch Gottes vollkommen sei und zu jedem guten Werke geschickt, indem uns die Furcht vor Gott und die gewisse, unserm Gemeinwesen drohende Gefahr uns dazu antrieb und alles Zögern verbot, endlich denen, die bei uns das Predigtamt verwalteten, befohlen, nichts anderes auf der Kanzel zu lehren, als was in der heiligen Schrift entweder wirklich enthalten sei oder sich darauf gründe. Denn es scheint uns nicht unangemessen, in so großer Gefahr dahin zu fliehen, wohin ehedem und zu aller Zeit nicht nur die heiligen Väter, Bischöfe und Fürsten, sondern auch alle Patriarchen geflohen waren, nämlich zu dem Ansehen der göttlichen Schrift. Nach ihr haben die edlen Thessalonicher das ihnen verkündigte Evangelium Christi geprüft, wie der heilige Lucas zu ihrem Lobe erwähnt; in ihr wollte Paulus, sollte sein Timotheus mit dem größten Fleiße sich üben; ohn ihr Ansehen haben nie die Päpste Gehorsam gegen ihre Beschlüsse, die Väter Beifall für ihre Aussprüche, die Fürsten Hochachtung gegen ihre Gesetze verlangt; endlich hat die große Versammlung des heiligen Reiches im Jahre Christi 1523 zu Nürnberg festgesetzt, daß die Predigten aus ihr hergeleitet werden sollen. Denn wenn es wahr ist, was der heilige Paulus bezeugt, daß ein Mensch Gottes durch die heilige Schrift vollkommen und zu jedem guten Werke geschickt werde, so kann dem, der die Schrift gewissenhaft zu Rathe zieht, nichts an der christlichen Wahrheit, nichts an der heilsamen Lehre fehlen.

Cap. 2. Von der hochheiligen Dreieinigkeit und dem Geheimniß des Mensch gewordenen Christus.


Da nun mit Vermeidung verderblicher Zänkereien aus ihr bei uns die Predigten geschöpft werden, so sind die, denen die Religion nur einiger Maßen am Herzen lag, nicht nur zur sicheren Erkenntniß der Lehre Christi gelangt, sondern haben auch mit Eifer begonnen, sie im Leben sichtbar werden zu lassen, und sie haben das aufgegeben, was den Grundsätzen des Christenthums unerlaubter Weise beigemischt war, und sind dagegen in dem, was damit übereinstimmt, befestigt worden.

Dahin gehört, was die Kirche Christi von der hochheiligen Dreieinigkeit bisher geglaubt hat, daß nämlich der Vater, der Sohn und der heilige Geist dem Wesen nach Ein Gott sei und daß nur ein Unterschied der Personen Statt finde, daß auch unser Heiland, Jesus Christus, wahrer Gott, auch wahrer Mensch geworden sei, ohne Vermischung der Naturen durch Vereinigung derselben in Einer Person, so, daß sie in alle Ewigkeit nicht wieder getrennt werden. Auch in dem ist nichts geändert, was die Kirche nach der Lehre der heiligen Evangelien von unsrem Heilande, Jesu Christo, glaubt, der vom heiligen Geiste empfangen, dann von der seligen Jungfrau Maria geboren, zuletzt, nachdem er die Predigt des Evangeliums vollendet, am Kreuz gestorben und begraben, zur Hölle hinabgestiegen, am dritten Tage von den Todten zum ewigen Leben erweckt, und nachdem er die dazu erwählten Zeugen durch mancherlei Beweise davon überzeugt hatte, in den Himmel zur Rechten des Vaters erhoben ist, von wo wir ihn erwarten als Richter der Lebenden und der Todten.

Inzwischen erkennen wir, daß er nichts desto weniger bis an das Ende der Welt seiner Kirche gegenwärtig sei, sie erneue, heilige, und als seine einzig geliebte Braut mit dem Schmuck aller Tugenden ziere.

Da wir hierin nicht abweichen von den Vätern, und dem gemeinschaftlichen Bekenntniß der Christen, so glauben wir, es werde hinreichen, daß wir von unserm Glauben auf diese Weise Zeugniß gegeben haben.

Cap. 3. Von der Rechtfertigung und dem Glauben.


Was aber von der Art und Weise, wie wir der durch Christum geschehenen Erlösung theilhaft werden, und von den Pflichten des Christen gelehrt zu werden pflegt, davon sind die Unsrigen einiger Maßen abgewichen. Was wir in dieser Hinsicht angenommen haben, wollen wir versuchen, Deiner geheiligten Majestät ganz einfältig auseinander zu setzen, und zugleich diejenigen Stellen der Schrift, welche uns dazu genötigt haben, treulich anzuzeigen.

Erstlich hat man seit einigen Jahren behauptet, daß zur Rechtfertigung des Menschen seine eignen Werke erforderlich seien; die Unsern aber haben gelehrt, sie sei ganz und gar der Gnade Gottes und dem Verdienste Christi zuzuschreiben, und werde allein durch den Glauben erlangt. Dazu haben sie unter andern folgende Stellen der Schrift bewogen: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüte, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ - „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß Jemand von Neuem geboren werde, (sonst) kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ - „Niemand kennt den Sohn, denn der Vater, und wem es der Sohn will offenbaren.“ - „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbaret.“ - „Es kann Niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater.“ - „Aus Gnaden seid ihr selig geworden, durch den Glauben, und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gnade ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht Jemand rühme; denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“

Da es nun unsre Gerechtigkeit und ewiges Leben ist, Gott und unseren Erlöser, Jesum Christum, zu erkennen, dieß aber so wenig durch Fleisch und Blut bewirkt werden kann, daß man dazu von neuem geboren werden muß, und da wir nicht zum Sohne kommen können, als wenn uns der Vater zieht, noch den Vater kennen lernen, als wenn ihn der Sohn uns offenbart, und da Paulus so ausdrücklich schreibt: „Nicht aus uns, noch aus den Werken,“ so erhellt hinlänglich, daß unsre Werke nichts dazu beitragen können, daß wir aus Ungerechten, wie wir geboren worden, Gerechte werden, indem wir, da wir von Natur Kinder des Zorns, und daher Ungerechte sind, nichts Gerechtes und Gott Wohlgefälliges zu leisten vermögen, sondern der Anfang unsrer ganzen Gerechtigkeit und Seligkeit von dem barmherzigen Gotte ausgehen muß, der allein aus seiner Gnade und in Betracht des Todes seines Sohnes zuvörderst die Lehre der Wahrheit und sein Evangelium durch die von ihm gesandten Boten desselben darbeut, sodann, da der sinnliche Mensch, wie Paulus spricht, das Göttliche nicht begreifen kann, zugleich einen Strahl seines Lichtes in der Finsterniß unsres Herzens aufgehen läßt, damit wir, weil der Geist aus der Höhe uns von der Wahrheit des uns verkündigten Evangeliums überzeugt, demselben glauben, und alsbald, auf das Zeugniß dieses Geistes gestützt, Gott im kindlichen Vertrauen anrufen und sprechen können: Abba! Vater! und dadurch unvergängliche Seligkeit erlangen, nach jenem Ausspruch: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll selig werden.“

Cap. 4. Von den guten Werken, die aus dem Glauben durch die Liebe hervorgehen.


Dieß aber wollen wir nicht so verstanden wissen, als wenn wir die Seligkeit und Gerechtigkeit in müßigen Gedanken der Seele, oder in einem Glauben ohne Liebe, den man gestaltlos nennt, setzen, da wir überzeugt sind, daß Niemand gerecht oder selig werden könne, wenn er nicht Gott über Alles liebt und ihm eifrigst nachahmt. „Denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes,“ wie in der Herrlichkeit des ewigen Lebens, so auch im Schmucke der Unschuld und der vollkommenen Gerechtigkeit; denn „wir sind sein Werk, geschaffen zu guten Werken.“ Nun aber kann Niemand Gott über Alles lieben und in redlichem Eifer ihm nachahmen, als wer ihn recht kennt, und von ihm in jeder Hinsicht das Beste hofft. Gerechtfertigt werden, das heißt, gerecht und so auch selig werden (denn die Gerechtigkeit ist eben unsre Seligkeit) können wir durchaus nicht anders, als wenn uns vor allen Dingen der Glaube geschenkt wird, durch den wir dem Evangelium vertrauen und in der Ueberzeugung, daß Gott uns zu Kindern angenommen hat, und uns seine väterliche Gnade in Ewigkeit zuwenden wolle, gänzlich an seinem Winke hangen. Diesen Glauben nennt der heilige Augustinus in seinem Buche vom Glauben und von den Werken den evangelischen, der nämlich durch die Liebe thätig ist. Durch ihn werden wir erst wiedergeboren, und das Ebenbild Gottes wird in uns wieder hergestellt. Durch ihn werden wir, da wir verderbt geboren worden, und unsre Gedanken von Kindheit an sich zum Bösen neigen, gut und rechtschaffen. So nun dem einigen Gott, dem ewigen und reichlich sich ergießenden Quell aller Güter vollkommen gesättigt, beweisen wir uns gegen Andere als Götter, das heißt, als rechte Kinder Gottes, indem wir durch die Liebe nach Kräften ihr Bestes suchen. Denn wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Lichte, und ist aus Gott geboren, ganz ergeben dem neuen und zugleich alten Gebot von der gegenseitigen Liebe. Und diese Liebe ist des ganzen Gesetzes Erfüllung, wie Paulus spricht: Das ganze Gesetz wird in Einem Worte erfüllt, in dem nämlich: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Denn Alles, was das Gesetz Gottes lehrt, zielt dahin und fordert das eine, daß wir endlich zum vollkommenen Ebenbilde Gottes erneuert, in jeder Hinsicht gut und zum Nutzen der Menschen bereit und geschickt sind, was nicht anders möglich ist, als wenn uns jede Tugend schmückt. Denn wer kann zur wahren Erbauung der Kirche und zum wahren Besten Aller, das heißt, nach dem Gesetze Gottes und zur Ehre Gottes Alles beginnen und vollbringen, wie es einem Christen gebührt, wenn er nicht überall ordentlich und richtig denkt und spricht und handelt, so, daß das ganze Chor der Tugenden bei ihm wohnt?

Cap. 5. Wem die guten Werke zuzuschreiben und wie nothwendig sie sind.


Da aber die, welche Gottes Kinder sind, mehr vom Geiste Christi getrieben werden, als selbst handeln, und von ihm und durch ihn alle Dinge sind, so darf keinem anderen, als eben diesem Geiste, dem alleinigen Spender aller Tugenden, zugeschrieben werden, was wir Gutes und Rechtes thun. Er thut uns schlechterdings keinen Zwang an, sondern er führt uns mit unserm Willen, und wirket so in uns das Wollen und das Vollbringen. Daher schreibt der heilige Augustinus sinnreich, Gott belohne in uns seine eignen Werke. Hiermit verwerfen wir die guten Werke nicht, sondern behaupten nur, daß Niemand selig werden könne, wenn er nicht durch den Geist Christi dahin gelangt, daß ihm keines der guten Werke mangelt, wozu ihn Gott erschaffen hat. Denn wir sind verschiedene Glieder desselben Leibes, weßhalb auch nicht Jeder dieselben Pflichten hat. Die Erfüllung des Gesetzes ist so nothwendig, daß Himmel und Erde eher untergehen könnten, als daß ein Jota oder der kleinste Strich davon erlassen werden könnte. Weil aber Gott allein gut ist, und Alles aus Nichts geschaffen hat, und uns durch seinen Geist völlig erneut und gänzlich regiert (denn in Christo gilt nur eine neue Creatur,) so kann nichts davon der Kraft des Menschen zugeschrieben werden, und man muß bekennen, Alles sei ein Geschenk Gottes, der aus Gnade und ohne irgend ein Verdienst von unsrer Seite uns huldreich und freundlich ist.

Hieraus kann man zur Genüge erkennen, was wir von der Rechtfertigung halten, durch wen sie uns zu Theil werde, auf welche Weise wir sie erlangen, und welche Schriftstellen uns zu diesem Glauben führen. Denn obgleich wir aus sehr vielen nur wenige angeführt haben, so leuchtet doch aus diesen wenigen einem Jeden, der nur einiger Maßen in der Schrift bewandert ist, vollkommen ein, daß solche Sprüche, in denen uns nur Sünde und Verderben, wie Hoseas spricht, dem Herrn aber unsre ganze Gerechtigkeit und Seligkeit zugeschrieben wird, an verschiedenen Stellen vorkommen.

Cap. 6. Von den Pflichten eines Christen.


Jetzt kann es auch nicht mehr zweifelhaft sein, worin die Pflichten eines Christen bestehen, und welcher Handlungen er sich besonders befleißigen müsse; derjenigen nämlich, durch welche Jeder für sich seinen Mitmenschen dienen kann, zuerst zum ewigen Leben, daß auch sie anfangen, Gott zu erkennen, anzubeten und zu verehren, sodann auch für das gegenwärtige Leben, daß ihnen nichts von dem fehle, was des Leibes Nothdurft fordert. Denn wie das ganze Gesetz Gottes, welches alle Gerechtigkeit aufs vollkommenste gebietet, in dem Einen Worte zusammengefaßt wird: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst, so muß auch alle Gerechtigkeit in der Beweisung solcher Liebe zusammengefaßt und ausgeübt werden. Daher darf durchaus nichts zu den Pflichten eines Christen gerechnet werden, was nicht einen Beitrag zum Wohl des Nächsten liefert, und jedes Werk ist um so mehr eine Christenpflicht, je mehr es das Beste des Nächsten befördert. Deßhalb rechnen wir, nächst den kirchlichen Aemtern, unter die wichtigsten Pflichten eines Christen die Verwaltung des gemeinen Wesens, daß man denen, die es verwalten, gehorsam sei, weil sie dadurch das allgemeine Beste befördern, ferner die Sorge für Weib, Kinder und Familie, die Ehrfurcht gegen die Aeltern, weil ohne dieß das Leben der Menschen nicht bestehen kann, das Treiben freier Künste und guter Wissenschaften, ohne deren Pflege wir sehr großer, dem Menschengeschlecht eigenthümlicher Vorzüge verloren gehen müßten. Doch darf man in diesen und anderen Geschäften des menschlichen Lebens nichts aufs Gerathewohl vor die Hand nehmen, vielmehr soll man gewissenhaft darauf achten, wozu man von Gott berufen wird. Das wird denn eines Jeden Pflicht, und zwar die vornehmste sein, was den Wittwen den größten Vortheil bringt.

Cap. 7. Vom Beten und Fasten.


Beten aber und andächtiges Fasten halten wir nichts desto weniger für heilige Werke, welche einem Christen sehr wohl anstehen, zu denen unsre Prediger ihre Zuhörer aufs fleißigste ermahnen. Denn das rechte Fasten ist gleichsam eine Entsagung des gegenwärtigen, bösen Lüsten stets unterworfenen, und eine Betrachtung des künftigen Lebens, das von Leidenschaften frei ist. Das Gebet aber ist eine Erhebung des Gemüthes zu Gott, und ein solches Gespräch mit ihm, das mehr als sonst etwas mit himmlischen Empfindungen entflammt und die Seele nach dem Willen Gottes bildet. Obgleich aber dieß heilige und einem Christen nöthige Uebungen sind, so dient man durch sie nicht eigentlich dem Nächsten, sondern man wird dadurch in den Stand gesetzt, dem Nächsten mit Erfolg zu dienen, daher darf man sie der heilsamen Belehrung, gottseligen Ermahnungen und Erinnerungen oder anderen Pflichten vorziehen, aus denen dem Nächsten sogleich ein Vortheil erwächst. Daher lehren wir von dem Erlöser, daß er des Nachts gebetet, am Tage aber gelehrt und Kranke geheilt habe. Denn wie die Liebe größer ist als Glaube und Hoffnung, so glauben wir auch, müsse das, was sich zunächst auf dieselbe bezieht, was den Menschen sicheren Nutzen bringt, allen anderen Verrichtungen vorgezogen werden. Daher schreibt auch der heilige Chrysostomus, das Fasten habe in der Reihe der Tugenden den letzten Platz.

Cap. 8. Von den Fastengeboten.


Weil aber nur solche Seelen, welche voll Inbrunst und durch den Geist von oben angeregt sind, gehörig und mit Nutzen beten oder fasten können, so glauben wir, daß es besser sei, nach dem Beispiel der Apostel und der frühern, reineren Kirche durch fromme Ermahnungen dazu zu ermuntern, als es durch Gebote zu erzwingen, insbesondere durch solche, die Alles zur Sünde machen, wie man sichs in spätern Zeiten erlaubt hat, nachdem der Priesterstand nicht wenig ausgeartet war. So wollen wir auch den Ort, die Zeit, die Art und Weise zu beten und zu fasten, lieber dem heiligen Geiste, ohne den Niemand recht beten und fasten kann, zu bestimmen überlassen, als durch bestimmte Gesetze vorschreiben, besonders solche, die man nicht ungestraft übertreten könnte.

Daß aber wegen der Jüngeren und Unvollkommnern Zeit und Weise des Gebetes und des Fastens festgesetzt werde, um sie wie durch heilige Vorübungen gleichsam vorzubereiten, das mißbilligen die Unsern gar nicht, wenn es nur ohne Gewissenszwang geschieht. Zu dieser Meinung sind wir nicht nur dadurch geführt, daß jede unwillkommene Nöthigung mit der Natur dieser Handlungen streitet, sondern auch, daß weder Christus selbst, noch die Apostel jemals solche Vorschriften erwähnt haben. Das bezeugt auch der heilige Chrysostomus: „Du siehst,“ spricht er, „daß ein rechtschaffenes Leben mehr hilft, als alles Andere. Ein rechtschaffenes Leben aber nenne ich nicht die Beschwerde des Fastens, nicht das Lager im Sack und in der Asche, sondern, wenn man das Geld nicht anders, als wie sichs gebührt, verachtet, wenn man in der Liebe brennt, die Hungrigen mit seinem Brote speiset, den Zorn überwindet, eitle Ehre nicht begehrt, und vom Neide nicht beherrscht wird. Denn das sind die Proben eines rechtschaffenen Lebens.“ Er1) sagt auch nicht, daß wir sein Fasten nachahmen sollen, obgleich er auf jene vierzig Tage hinweisen konnte, sondern: „Lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig.“ Im Gegentheil spricht er: „Esset alles, was euch vorgetragen wird.“ Auch lesen wir nicht, daß dem alten Volke ein feierliches und ordentliches Fasten geboten sei, als an einem einzigen Tage. Denn was von Propheten und Königen nach dem Zeugniß der Schrift angeordnet ward, das war, wie ausgemacht ist, nicht etwas Feststehendes, sondern nur für die Zeit veranstaltet, weil es nämlich eine bestimmte, entweder bevorstehende oder schon vorhandene Noth forderte. Weil also die Schrift, wie der heilige Paulus ausdrücklich versichert, uns zu allen guten Werken anleitet, von diesen durch Gebote erzwungenen Fasten aber nichts weiß, so sehen wir nicht, wie es den Nachfolgern der Apostel zustehen konnte, die Kirche mit einer so großen und gefährlichen Last zu beschweren. Irenäus wenigstens bezeugt, daß man das Fasten in den Gemeinen ehemals auf verschiedene Art und mit Freiheit beobachtet habe. Eben daselbst erinnert Eusebius, daß ein Kirchenschriftsteller, Apollonius, die Lehre des Ketzers Montanus mit diesem Grunde widerlegt habe, daß er zuerst Fastengesetze aufgelegt hätte. So hielt er es für unwürdig derer, welche die reine Lehre Christi bekennen. Daher sagt auch Chrysostomus irgendwo: „Das Fasten ist anständig, aber Niemand werde gezwungen.“ Und an einer anderen Stelle ermahnt er den, der nicht fasten kann, sich von der Ueppigkeit fern zu halten, und versichert, das sei nicht viel anders, als fasten, es sei eine starke Waffe, um die Wuth des Teufels abzuhalten. Ueberdieß beweiset es die Erfahrung nur zu sehr, daß die Fastengebote der Frömmigkeit sehr geschadet haben.

Da es uns nun ausgemacht zu sein schien, daß die Fürsten der Kirche die Gewalt, Fasten so vorzuschreiben, daß die Uebertretung als Sünde zu betrachten sei, gegen das Zeugniß der Schrift sich angemaßt haben, so haben wir erlaubt, die Gewissen von diesen Stricken zu befreien, aber nach der Schrift, insbesondere nach Paulus, welcher diese weltlichen Satzungen geflissentlich von den Schultern der Christen hinwegnimmt. Denn nicht von geringem Gewichte mußte bei uns der Ausspruch Pauli sein: „Lasset Niemand euch Gewissen machen über Speise oder Trank, oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbathe;“ und abermal: „So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo der Satzungen der Welt, was lasset ihr euch den fesseln mit Vorschriften, als lebtet ihr noch?“

Wenn demnach der heilige Paulus, der so sicher als irgend Jemand Christum lehrte, behauptet, daß wir eine solche Freiheit von äußerlichen Dingen durch Christum erlangt haben, so, daß er nicht nur keinem Geschöpfe das Recht einräumt, die, welche an Christum glauben, selbst mit den Gebräuchen und Uebungen zu belasten, die Gott angeordnet und denen er für eine gewisse Zeit einen Nutzen beigelegt hat, sondern auch erklärt, daß diejenigen von Christo abgefallen seien und er ihnen nichts helfe, die sich dergleichen vorschreiben lassen; wie müssen wir dann über die Vorschriften urtheilen, welche die Menschen nicht nur ohne einen Ausspruch der Schrift, sondern auch ohne ein nachahmungswürdiges Vorbild ersonnen haben, welche daher nicht nur dürftig und schwach, nicht Elemente oder Anfangsgründe der heiligen Erziehung, sondern für sehr viele Hindernisse aller wahren Frömmigkeit geworden sind? Um wie viel ungerechter wird es sein, wenn Jemand sich diese Gewalt über das Erbtheil Christi anmaßt, es mit solcher Knechtschaft zu belasten, und wie weit würde uns das von Christo entfernen, wenn wir uns dem unterwürfen! Denn wer sieht nicht, daß die Ehre Christi, für die wir ganz leben müssen, die er, und zwar mit seinem Blute, ganz erkauft und erlöset hat, mehr verdunkelt werde, wenn wir ohne seinen Befehl unser Gewissen mit solchen Gesetzen verstricken, welche menschliche Erfindungen sind, als mit denen, die Gott zum Urheber haben, obgleich sie nur zu ihrer Zeit zu beobachten waren. Wie ein Jude leben, ist gewiß weniger, als wie ein Heide leben. Heidnisch aber ist es, Gesetze für die Verehrung Gottes annehmen, die ohne Gott aus menschlichem Verstande hervorgegangen sind. Daher gilt, wenn irgendwo, hier gewiß jener Ausspruch des heiligen Paulus: „Ihr seid theuer erkauft, werdet daher nicht der Menschen Knechte.“

Cap. 9. Von der Unterscheidung der Speisen.


Aus derselben Ursache ist auch jene für gewisse Tage vorgeschriebene Unterscheidung der Speisen nachgelassen, welche Paulus in einem Briefe an Timotheus eine Teufelslehre nennt. Auch ist es ausgemacht, wenn Einige meinen, daß dieß nur gegen die Manichäer, Eucratiten, Tatianer und Marcioniten gerichtet sei, die überhaupt gewisse Speisen und die Ehe verboten. Der Apostel verdammt hier diejenigen, welche gebieten, daß man sich von den Speisen enthalten solle, die Gott geschaffen hat, daß man sie nehme u. s. w. Diejenigen aber, die nur für bestimmte Tage den Genuß gewisser Speisen untersagen, gebieten nichts desto weniger, sich der Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat, daß man sie nehme, und komme also der Teufelslehre nahe, wie aus dem Grunde hervorgeht, da der Apostel hinzufügt: „Alle Creatur Gottes,“ spricht er, „ist gut, und ist nichts verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird.“ Denn er nimmt keine Zeit aus, obgleich Niemand eifriger, als er, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, besondere Züchtigungen des Fleisches und rechtes Fasten empfohlen hat. Mäßigkeit ist allerdings die Pflicht eines Christen, aber für immer; das Fleisch muß zuweilen gezüchtigt werden, durch Verminderung des gewöhnlichen Maßes; allein dahin gehört mehr die geringe Beschaffenheit und das Maß, als die Gattung der Speise. Auch gebührt sichs für Christen, öfters zu fasten; aber so, daß es nicht Enthaltsamkeit von gewissen Speisen sei, sondern von Allem, und nicht davon allein, sondern von allen Ergötzlichkeiten des Lebens. Denn was ist das für ein Fasten, oder was ist das für eine Enthaltsamkeit, wenn man nur die Art der Genüsse ändert, wie die zu thun pflegen, die jetzt für besonders fromm gelten, da der heilige Chrysostomus es nicht für ein Fasten erkennt, wenn man auch bis zum Abend ohne Speisen bleibt, wenn man mit der Enthaltsamkeit von Speisen nicht Vermeidung alles Schädlichen verbindet, und einen großen Theil der Zeit zur Beschäftigung mit geistlichen Dingen gebraucht.

Cap. 10. Daß im Beten und Fasten kein Verdienst zu suchen sei.


Ferner haben unsre Geistlichen über Fasten und Beten bessern Unterricht ertheilt, da man die Leute gewöhnlich lehrt, in diesen Handlungen Verdienst und Gerechtigkeit zu suchen. Denn so wie wir aus Gnade durch den Glauben selig werden, so werden wir auch gerecht. Und von den Werken des Gesetzes, zu denen auch das Gebet und das Fasten gerechnet wird, schreibt Paulus so: „ Christus ist euch überflüssig, die ihr durch das Gesetz gerecht werdet; ihr seid aus der Gnade gefallen; denn wir bewahren im Geist und Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.“ Daher muß man beten, aber, um von Gott zu empfangen, nicht, um ihm etwas zu geben. Wir müssen fasten, damit wir desto aufgelegter seien zum Gebet, und das Fleisch beherrschen, nicht, um etwas bei Gott zu verdienen. Dieser alleinige Zweck und Nutzen des Gebetes und Fastens wird in der Bibel, so wie in den Schriften und durch das Beispiel der Kirchenväter empfohlen. In dieser Hinsicht steht unsre Sache so, daß, wenn wir auch mit noch so großer Andacht beten und fasten, und Alles, was uns Gott befohlen hat, vollbringen könnten, und nichts weiter von uns gefordert werden könnte, was kein Sterblicher bis dahin geleistet hat, wir uns dennoch für unnütze Knechte bekennen müßten. Wie sollten wir also von einem Verdienste träumen?

Cap. 11. Daß der einige Gott durch Christum angerufen werden müsse.


Dabei ist noch ein anderer Mißbrauch verworfen, daß man nämlich durch Gebet und Fasten auch das Wohlgefallen der Mutter Gottes, der Jungfrau Maria, und anderer Heiligen gewinnen will, um durch ihre Vermittelung und ihr Verdienst von Uebeln der Seele und des Leibes befreit und mit Gütern aller Art erfüllt zu werden. Denn unsre Prediger lehren, den alleinigen Vater im Himmel durch den alleinigen Mittler, Christum, anzurufen und um Alles zu bitten, da, wie er selbst bezeugt hat, er uns nichts versagen wird, um was wir ihn im Glauben und im Namen Christi bitten. Da also Paulus diesen einen Menschen, Jesum Christum, den Mittler zwischen Gott und den Menschen nennt, und Niemand uns mehr lieben, auch Niemand bei dem Vater mehr gelten kann, so pflegt man bei uns zu erinnern, daß man an diesem einen Mittler und Vertreter bei dem Vater genug habe. Die Mutter Gottes aber, die heiligste Jungfrau Maria und alle Heiligen lehrt man zwar mit allem Fleiße zu ehren; das könne jedoch nur dann geschehen, wenn man sich dessen befleißige, was ihnen besonders am Herzen liegt, nämlich der Unschuld und Frömmigkeit, worin sie uns so herrliche Vorbilder gegeben haben. Denn da sie Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften lieben, so können wir nichts thun, das ihnen lieber wäre, als wenn wir, wie sie, Gott aufs inbrünstigste lieben und ihm nachahmen. Denn ihrem Verdienste schreiben sie ihre eigene Seligkeit nicht zu; viel weniger kommt es ihnen in den Sinn, uns dadurch zu helfen. Sie Alle sprachen, so lange sie hier lebten, mit Paulus: „Das Leben, das ich nun lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat; ich verachte nicht die Gnade Gottes.“ Wenn sie selbst nun Alles der Gnade Gottes und der Erlösung Jesu Christi zuschreiben, so können wir durch nichts ihr Wohlgefallen mehr erlangen, als wenn auch wir uns auf diese Hülfe verlassen.

Cap. 12. Vom Mönchswesen.


Aus derselben Ursache aber, weil unsre Rechtfertigung ganz auf dem Glauben an Jesum Christum beruht, wodurch uns Freiheit in allen äußerlichen Dingen gegeben ist, so haben wir auch bei uns die Fesseln des Mönchthums zu lösen gestattet. Denn wir sehen, daß diese Freiheit der Christen von dem heiligen Paulus überall nachdrücklich vertheidigt wird, nach welcher ein Jeder, für sich gewiß, daß bei Jesu Christo, unsrem Herrn, allein alle Gerechtigkeit und Seligkeit zu suchen sei, und ebenso gewiß, daß man alle Dinge dieses Lebens immer, wie zum Besten des Nächsten, so zur Ehre Gottes gebrauchen solle, über sich und Alles, was er hat, dem heiligen Geiste Christi, dem Geber der wahren Kindschaft und Freiheit, die Entscheidung, Leitung, Anordnung und Anwendung zum Besten der Nebenmenschen und zur Verherrlichung Gottes gänzlich überlassen muß. Wenn wir diese Freiheit behaupten, beweisen wir uns als Knechte Christi; wenn wir sie in die Gewalt der Menschen geben, und uns ihren Satzungen unterwerfen, so fallen wir von Christo ab, und wenden uns als Ueberläufer zu den Menschen. Dieß wäre um so gewissenloser, da Christus uns nicht um einen geringen Preis zu seinem Eigenthum erkauft hat, indem er uns aus der verderblichen Sclaverei des Satans mit seinem Blute erlöste. Und das ist die Ursache, weßhalb Paulus in seinem Briefe an die Galater es so entschieden verwirft, daß sie an den Ceremonien des, wenn auch göttlichen, Gesetzes hingen, da dieß doch, wie wir eben gezeigt haben ,viel eher zu entschuldigen wäre, als die Unterwerfung unter ein Joch, welches Menschen aus sich selbst erdichtet haben. Denn er schreibt, und zwar der Wahrheit gemäß, wer das Joch jener Ceremonien auf sich nehme, der verachte die Gnade Gottes und achte den Tod Christi für nichts; daher fürchte er, umsonst an ihnen gearbeitet zu haben, und ermahnt sie, in der Freiheit, mit der uns Christus befreit hat, zu bestehen, und sich nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen zu lassen.

Nun steht fest, daß das Mönchthum nichts Anderes ist, als Knechtschaft unter menschlichen Satzungen, und durchaus eine solche, wie sie Paulus in den angeführten Stellen verdammt; denn die, welche in den Mönchsstand treten, widmen sich jenen menschlichen Anordnungen in der Hoffnung, sich dadurch Verdienste zu erwerben. Daher halten sie es für ein Verbrechen, sich von ihnen wieder zur Freiheit Christi zu wenden. Da aber unser Leib und unser Geist Gottes ist, und zwar aus zwiefachem Grunde, nach der Schöpfung und nach der Erlösung, so kann es den Christen nicht frei stehen, sich in den Dienst jener mönchischen Knechtschaft zu begeben, viel weniger, als leiblichen Knechten (Sclaven), ihre Herren zu ändern. Ueberdieß läßt sich nicht leugnen, daß durch solche Hingabe und solche Gelübde, nach den Geboten der Menschen zu leben, wie es immer zu geschehen pflegt, die Nothwendigkeit herbeigeführt werde, Gottes Gesetz zu übertreten. Das Gesetz Gottes verlangt, daß ein Christ der Obrigkeit, den Aeltern, den Verwandten und allen Anderen, die Gott mit ihm in Verbindung gebracht und ihm zugeführt hat, daß er ihnen Dienste leiste, nach Kräften diene, an welchem Ort oder zu welcher Zeit es auch sei, wenn ihr Bedürfniß es fordert. Ferner soll er eine solche Lebensweise erwählen, in welcher er das Wohl des Nächsten am besten befördern kann, und nicht den ehelosen Stand vorziehen, wenn es ihm nicht um des Himmelreichs willen, das heißt: zur Beförderung der Gottseligkeit und der Ehre Gottes, gegeben ist, sich selbst zu verschneiden und der Ehe zu entsagen. Denn es besteht jenes durch Paulus bekannt gemachte Gebot Gottes, welches menschliche Gelübde nicht aufheben können: Zur Vermeidung der Hurerei habe ein Jeder (Niemand wird ausgenommen) sein Weib und eine Jede ihren Mann. Denn nicht Alle fassen jenes Wort von der um des Himmelreichs willen zu wählenden Ehelosigkeit, wie Christus selbst bezeugt, der am besten wußte und am glaubwürdigsten lehrte, was die menschliche Natur vermag, und was dem Vater gefällt.

Es liegt zwar am Tage, daß die, welche Mönchsgelübde übernehmen, durch sie von einer gewissen Menschenclasse so abhängig werden, daß sie weder der Obrigkeit, noch den Aeltern, noch irgend einem Menschen, mit alleiniger Ausnahme des Klosteraufsehers, gehorsam und dienstfertig sich beweisen, oder mit ihrem Vermögen zu Hülfe kommen dürfen, am allerwenigsten aber ein Weib nehmen, so sehr sie auch Brunst leiden und so unvermeidlich sie auch in allerlei Laster gerathen. Da es also klar ist, daß jene mönchischen Gelübde den Menschen der Dienstbarkeit Christi entbinden, und der Dienstbarkeit nicht sowohl der Menschen, als des Satans unterwerfen, und, wie es bei Menschensatzungen zu geschehen pflegt, ihm die Nothwendigkeit auflegen, das Gesetz Gottes zu übertreten, daß sie folglich offenbar mit den Geboten Gottes streiten, so glauben wir mit Recht, daß sie aufgehoben werden müssen, da nicht nur das geschriebene, sondern auch das natürliche Gesetz eine Zusage aufzuheben gebietet, wenn die Erfüllung derselben den guten Sitten, geschweige denn der Religion, zuwider ist.

Daher haben wir es Niemand wehren können, der das Mönchsleben, ohne Zweifel eine Dienstbarkeit des Satans, mit dem christlichen Leben vertauschen wollte; ebenso wenig Anderen aus dem geistlichen Stande, die Weiber genommen und eine Lebensart ergriffen haben, von der sich mehr Nutzen für den Nächsten und mehr Ehrbarkeit des Wandels, als von der früheren, erwarten läßt. Endlich haben wir auch denjenigen, die bei uns im Dienste des göttlichen Wortes geblieben sind, das Recht, sich zu verheirathen, obgleich sie Keuschheit angelobt haben, aus den angeführten Gründen gestattet, da der heilige Paulus, der ausgezeichnete Vertheidiger der wahren Keuschheit, einen verheiratheten Bischof gelten läßt. Denn mit Recht haben wir allen menschlichen Gesetzen dieß eine göttliche vorgezogen: Zur Vermeidung der Hurerei soll ein Jeder sein Weib haben u.s.w. Weil dieß Gesetz so lange verworfen war, so sind alle unerhörten Arten der Wollust (mit Züchten zu melden vor Deiner geheiligten Majestät, Großer Kaiser) auf die gräulichste Art in den geistlichen Stand eingedrungen, daß in diesem Betracht heut zu Tage keine Menschenclasse verabscheuungswerther ist.

Cap. 13. Von dem Amte, der Würde und der Macht der Kirchendiener.


Von dem Amte und der Würde des geistlichen Standes wird bei uns gelehrt, zuerst, daß die Kirche keine Macht habe, als zur Erbauung. Ferner, daß keiner dieses Standes für etwas Anderes zu halten sei, als wofür sich Paulus, Petrus und Apollos und ähnliche Personen wollten geachtet wissen, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse, von denen dieß insbesonder zu fordern sei, daß ein Jeder treu erfunden werde. Diese haben die Schlüssel des Himmelreiches, zu binden und zu lösen, die Macht, Sünde zu erlassen und zu behalten, jedoch so, daß sie nichts sind, als Diener Christi, denen dieses Recht allein zusteht. Denn wie er allein die Herzen erneuen kenn, so ist er es auch allein, der durch seine Kraft den Menschen den Himmel aufschließt und sie von Sünden losspricht. Beides wird uns nur dann zu Theil, wenn unser Herz erneuert wird, und unser Bürgerrecht im Himmel ist.

Den Kirchendienern liegt ob, mit dem Worte zu pflanzen und zu begießen; beides an sich richtet nichts auf; der das Gedeihen giebt, ist Gott. Denn aus sich ist Niemand tüchtig, so etwas zu denken, als aus sich; sondern daß Jemand dazu tüchtig ist, das ist von Gott, der zu Dienern des neuen Bundes macht, welche er will, damit sie die Menschen von Christo recht überzeugen und seiner wirklich theilhaft machen, und nicht den todten Buchstaben, das ist, die Lehre, die nur von außen erschallte, das Gemüth aber nicht ändert, sondern den Geist mittheilen, der lebendig macht und das Herz bessert. So nur sind sie Mitarbeiter Gottes, thun wirklich den Himmel auf und vergeben die Sünde. Daher geschah es, daß Christus, als er den Aposteln diese Macht gab, sie anblies und sprach: Nehmet hin den heiligen Geist, und dann erst hinzufügte: Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen. Deßhalb lehren wir, daß sie von Gott gesandt sind (denn wie sollen sie predigen, wenn sie nicht gesandt werden?) d.h., die Fähigkeit und den Muth empfangen haben, das Evangelium zu verkündigen und die Heerde Christi zu weiden, wie auch den mitwirkenden, d.h. die Herzen überzeugenden Geist; das macht erst tüchtige und recht gesalbte Kirchendiener, Bischöfe, Lehrer und Hirten. Die übrigen Tugenden, mit denen Personen dieses Standes ausgerüstet sein müssen, werden von dem heiligen Paulus aufgezählt.

Die nun, auf diese Weise gesandt, gesalbt und ausgerüstet, die Heerde des Herrn fleißig warten, und sie mit Treue und Sorgfalt weiden, halten wir für rechte Bischöfe, Priester und Hirten, und halten sie zwiefacher Ehre werth, als deren Anordnungen jeder Christ mit der größten Bereitwilligkeit annehmen muß. Die sich aber auf andere Dinge legen, geben sich selbst eine andere Richtung und einen anderen Namen.

Doch muß Niemandes Leben solchen Anstoß geben, daß, wenn er von Moses oder Christi Stuhl, d.h. aus dem Gesetz oder dem Evangelium etwas redet, die Christen Bedenken haben könnten, es anzunehmen. Bringen sie aber fremdartige Dinge vor, so geziemt es den Schafen Christi, auf solche Stimmen nicht zu hören. Wer aber denen, die in weltlichen Dingen Macht erhalten haben, nicht gehorchen wollte in solchen Angelegenheiten, die mit den Geboten Gottes nicht streiten, der würde, weil diese Macht von Gott geordnet ist, der göttlichen Ordnung widerstreben. Es ist demnach Verläumdung, wenn Einige uns beschuldigen, daß wir die geistliche Gerichtsbarkeit untergraben. Denn die weltliche Macht, welche sie etwa haben, ist von uns nie bekämpft worden; der geistlichen aber, vermöge deren sie mit dem Worte Gottes die Gewissen frei machen und mit dem Evangelium Christi treulich pflegen sollen, haben wir uns so wenig widersetzt, daß wir sie vielmehr oft gefordert haben. Daß wir aber die Lehre einiger Prediger nicht geduldet, und, wenn es nöthig war, andere an ihre Stelle berufen, oder wenigstens solche, die durch die bischöflichen Beamten abgesetzt waren, beibehalten haben, davon war die Ursache, daß diese die Stimme unseres Hirten lauter verkündigten, jene die Stimme Anderer. Denn wenn es auf die Sache des Evangeliums und die reine Lehre ankommt, so müssen wir Alle, die wir in Wahrheit an Christum glauben, uns ganz zu dem Bischof unsrer Seelen, Jesu Christo, bekehren, und auf die Stimme Anderer durchaus nicht hören. Dadurch kann Niemandem Unrecht geschehen, wenn anders wahr ist, was Paulus sagt: Es ist Alles euer, es sei Paulus oder Apollos oder Kephas oder die Welt oder Leben oder Tod oder Gegenwärtiges oder Zukünftiges; Alles ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes. Wenn nun Petrus und Paulus mit der ganzen Welt immer noch unser sind, wir aber keinesweges ihnen, sondern Christo gehören, und zwar so, wie er dem Vater, nämlich, daß wir ihm ganz und gar leben, so wird, wenn wir dieß Alles als das Unsere gebrauchen, keiner der Geistlichen mit Recht über uns klagen können, als ob wir ihm nicht gehorchten, wenn es offenbar ist, daß wir Gottes Willen befolgen. Das wird bei uns von der Pflicht, der Würde und dem Ansehen der Kirchendiener gelehrt; es für wahr zu halten, haben uns die angeführten und ähnliche Schriftstellen gelehrt.

Cap. 14. Von menschlichen Ueberlieferungen.


Was ferner die Ueberlieferungen der Väter und die heute von den Bischöfen und der Kirche bestätigten betrifft, so ist dieß die Meinung der Unsern.

Sie zählen zu menschlichen und zwar in der Schrift verworfenen Ueberlieferungen einzig und allein diejenigen, die mit dem Gesetz Gottes streiten, z.B. die von Speise und Trank, von der Zeit und von anderen äußeren Dingen, die das Gewissen binden, die den Ehestand denen verbieten, welche dasselbe zu einem tugendhaften Leben bedürfen u. dgl. m. Denn die mit der Schrift übereinstimmenden, die zur Beförderung guter Sitten und zum Nutzen der Menschen angeordnet sind, wenn sie auch nicht mit ausdrücklichen Worten in der Schrift enthalten sind, werden, weil sie aus dem Gebot der Liebe fließen, die Alles gebührend anordnet, mit Recht eher für göttlich, als für menschlich gehalten. Von der Art waren jene Vorschriften des Paulus, daß die Frauen nicht mit entblößtem, die Männer nicht mit bedecktem Haupte in der Gemeinde beten, daß die Communicanten auf einander warten, daß die in fremden Sprachen Redenden es in der Gemeine nicht thun ohne Ausleger, daß die Propheten ohne Verwirrung weissagen und die Zuhörer es beurtheilen sollen.

Dergleichen beobachtet die Kirche heutiges Tages viel mit Recht, und ordnet nach Gelegenheit Neues an. Wer das verwirft, der verachtet nicht der Menschen, sondern Gottes Ansehen; denn von ihm stammt jede nützliche Satzung her. Denn alles Wahre, was geredet oder geschrieben wird, das wird als Gebot dessen geredet und geschrieben, der die Wahrheit selbst ist, wie der fromme Ausspruch des heiligen Augustinus lautet.

Darüber aber wird oft gestritten, welche Ueberlieferung nützlich sei, welche nicht, d.h., welche die Frömmigkeit befördere oder hindere. Wer aber nicht das Seinige sucht, sondern sich ganz der allgemeinen Wohlfahrt widmet, der wird ohne Mühe einsehen, ob etwas dem göttlichen Gebote entspricht oder nicht. Da ferner die Angelegenheit der Christen sich so verhält, daß ihnen auch das Unrecht Vortheil bringt, so wird der Christ auch unbilligen Gesetzen unbedenklich gehorchen, wenn sie nur nichts Gottloses gebieten, nach den Worten Christi: Wenn dich Jemand zwingt Eine Meile, mit dem gehe zwei. So muß wirklich der Christ Allen Alles werden, so, daß er Alles zu Nutz und Frommen der Menschen zu thun und zu leiden willig sei, wenn es nur nicht wider Gottes Gebote streitet. Daher wird auch Jeder den bürgerlichen Gesetzen, die mit der Gottesfurcht nicht streiten, um so bereitwilliger gehorchen, je mehr er mit dem Glauben an Christum erfüllt ist.

Cap. 15. Von der Kirche.


Nun müssen wir noch erklären, was wir von der Kirche und den Sacramenten denken. Die Kirche Christi also, die zuweilen auch Himmelreich genannt wird, ist die Gesellschaft derer, die sich als Christen bekennen und sich dem Glauben an ihn ganz und gar ergeben, denen aber bis an das Ende der Welt solche beigemischt sein werden, die den Glauben an Christum heucheln, aber nicht wirklich besitzen. Das hat der Herr sattsam gelehrt in dem Gleichnisse vom Unkraut, von dem Netze, das ins Meer geworfen wird, und faule Fische mit den guten heranzieht, von dem Könige, der zur Hochzeit seines Sohnes Jedermann einladen, nachher aber den, der kein hochzeitlich Kleid hatte, wieder hinauswerfen ließ; ferner, wenn die Kirche Christi Braut genannt wird, für die er sich selbst hingegeben, sie zu heiligen; ingleichen ein Haus Gottes, Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit, Berg Zion, Stadt des lebendigen Gottes, himmlisches Jerusalem, Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind. Dieses Lob kommt nur denen zu, die ernstlich an Christum glauben und daher wahrhaftig zu den Kindern Gottes gehören. Da unter diesen der Heiland wirklich regiert, so werden sie eigentlich seine Kirche und die Gemeinschaft, d.i. die Gesellschaft der Heiligen genannt, wie das Wort Kirche im apostolischen Glaubensbekenntnisse erklärt wird. Sie regiert der heilige Geist, von ihr ist Christus nie fern, sondern er heiligt sie, so, daß er sie sich selbst darstelle, als die keine Flecken noch Runzel hat; wer sie nicht hören will, der soll für einen Heiden und Zöllner gehalten werden. Da das, was sie eigentlich zur Kirche Christi macht, nämlich der Glaube an Christum, unsichtbar ist, ist sie selbst unsichtbar, kann aber aus ihren Früchten zur Genüge erkannt werden. Die vornehmsten dieser Früchte sind muthiges Bekenntniß der Wahrheit, aufrichtige Liebe gegen Jedermann, und muthige Verachtung aller Dinge um Christi willen. Dieß kann durchaus nicht fehlen, wo man das Evangelium und die Sakramente rein erhält. Da nun auch die Kirche das Reich Gottes ist, und Alles daher in derselben ordentlich zugehen muß, so hat sie verschiedene Aemter für ihre Diener; denn sie ist ein aus verschiedenen Gliedmaßen, deren jedes seine Geschäfte hat, zusammengesetzter Leib. Wenn sie ihre dienste treulich verrichten, am Wort und in der Lehre fleißig arbeitend, so stellen sie die Kirche wahrhaftig dar, und wer sie hört, von dem kann man mit Recht sagen, er habe die Kirche gehört. Von welchem Geist sie aber getrieben, und mit welchen Gaben sie ausgerüstet sein müssen, haben wir oben erwähnt und Rechenschaft unseres Glaubens in dieser Sache gegeben, als wir uns über unsren Glauben vom Dienst der Kirche erklärten. Denn wer da lehrt, was mit den Geboten Christi streitet, der kann nicht die Kirche darstellen; es kann aber geschehen und geschieht oft, daß auch Böse im Namen Christi weissagen und die Meinung der Kirche aussprechen. Wer aber Dinge vorbringt, die der Lehre Christi fremd sind, wenn er sich auch in der Kirche befindet, kann doch, weil er von Vorurtheilen befangen und seine Stimme nicht die Stimme des Hirten ist, die Braut Christi, die Kirche nicht darstellen. Darum muß man sie auch nicht in seinem Namen hören. Einer fremden Stimme folgen die Schafe Christi nicht. Dieß ist unsre Lehre von der Kirche, die auf den angeführten und ähnlichen Stellen beruht.

Cap. 16. Von den Sacramenten.


Weil ferner die Kirche hienieden im Fleische ist, obgleich sie nicht nach dem Fleische wandelt, so hat es dem Herrn gefallen, sie auch durch das äußere Wort zu belehren, zu erinnern und zu ermahnen, und damit dieß desto bequemer geschehe, hat er auch gewollt, daß die Seinen eine äußere Gesellschaft unter sich halten sollten. Deßhalb hat er ihnen auch die heiligen Zeichen gegeben, die wir Sakramente nennen, unter denen die vorzüglichsten die Taufe und das Abendmahl sind. Diese, glauben wir, sind von den Alten Sacramente genannt worden, nicht bloß, weil sie sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gnade sind, wie der heilige Augustinus sich ausdrückt, sondern auch, weil durch sie gleichsam ein Glaubensbekenntniß abgelegt wird.

Cap. 17. Von der Taufe.


Von der Taufe also bekennen wir, was die heilige Schrift an verschiedenen Stellen davon lehrt, daß wir durch dieselbe begraben werden in den Tod Christi, zu Einem Leibe verbunden, Christum anziehen, daß sie sei ein Bad der Wiedergeburt, die Sünde abwasche, und uns selig mache.

Dieß Alles verstehen wir aber so, wie der heilige Petrus es erklärt, indem er spricht: Mit diesem Vorbild stimmt die Taufe überein, und macht auch uns selig; sie ist nicht das Abthun des Unflathes vom Fleisch, sondern das Bekenntniß eines guten Gewissens vor Gott. Denn ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen, und wir werden aus Gnaden selig, nicht durch unsre Werke. Da aber die Taufe ein Sacrament des Bundes ist, den Gott mit den Seinigen schließt, indem er verheißt, er wolle ihr und ihrer Nachkommen Beschützer sein, und sie für sein Volk halten; da sie überdieß ein Zeichen der Erneuerung des Geistes ist, die durch Christum geschieht, so lehren wir, daß sie auch den Kindern mitzutheilen sei, aber so, wie sie ehemals unter Moses beschnitten wurden. Denn wir sind in Wahrheit Adams Kinder. Darum bezieht sich jene Verheißung eben sowohl auf uns, als auf die Alten: Ich werde dein und deines Samens Gott sein.

Cap. 18. Vom Abendmahl.


Von diesem hochwürdigen Sacrament des Leibes und Blutes Christi wird das, was die Evangelisten, Paulus und die heiligen Väter in ihren Schriften hinterlassen haben, bei uns mit aller Treue gelehrt, empfohlen und eingeprägt. Daher verkündigen die Unsren mit besonderem Eifer die Güte Christi gegen die Seinen, nach welcher er nicht weniger heute, als bei jenem letzten Abendmahl, allen, die sich von Herzen zu seinen Schülern bekennen, seinen wahren Leib und sein wahres Blut, wirklich zu essen und zu trinken, zur Speise und zum Trank für die Seelen, wodurch sie zum ewigen Leben genährt werden, im Sacramente gnadenvoll dargereicht, so, daß er in ihnen und sie in ihm leben und bleiben, und am jüngsten Tage zu einem neuen und ewigen Leben von ihm erweckt werden, nach seinem ewig wahren Worte: Nehmet und esset, das ist mein Leib, trinket Alle daraus, dieser Kelch ist mein Blut rc. Mit vorzüglichem Fleiß führen unsre Prediger die Herzen des Volkes von allem Streit und unnützen, vorwitzigen Untersuchungen auf das zurück, was allein nützt, und von Christo, unsrem Erlöser allein bezweckt ist, daß wir, von ihm gespeiset, in ihm und durch ihn leben, ein Gott gefälliges, heiliges und deshalb ewiges und seliges Leben, und Alle Ein Brot, Ein Leib seien, da wir Eines Brotes im Abendmahl theilhaft werden. Daher kommt es, daß das göttliche Sacrament im heiligen Abendmahl mit der größten Andacht und besonderer Ehrerbietung verwaltet und empfangen wird.

Aus dem, was sich wirklich so verhält, ersieht Deine geheiligte Majestät, Allergnädigster Kaiser, wie nunmehr unsre Widersacher verbreiten, daß die Unsren Christi Worte verändern und durch menschliche Auslegungen entstellen, und daß nichts als blos Brot und Wein bei unsrem Abendmahl ausgetheilt, mithin das Abendmahl des Herrn selbst von uns verachtet und verworfen werde. Denn bei uns wird immer mit dem höchsten Eifer gelehrt und ermahnt, daß Jeder bei einfältigem Glauben, mit Beseitigung aller menschlichen Erdichtungen und falschen Erklärungen die Worte des Herrn ergreife und dem, was sie sagen, sein Gemüth ohne allen Zweifel öffne, und die Sacramente selbst zur belebenden Nahrung für die Seele und zur dankbaren Erwägung einer so großen Wohlthat, und mit aller Andacht empfange. Dieß pflegt auch bei uns jetzt viel häufiger und andächtiger zu geschehen, als vormals. Zugleich aber haben sich unsre Prediger bisher immer erboten, und erbieten sich heute noch, mit aller Bescheidenheit und Wahrheit Rechenschaft von ihrem Glauben und ihrer Lehre zu geben, über Alles, was sie in Ansehung dieses Sacraments, als sonst glauben und lehren, und zwar nicht allein Deiner geheiligten Majestät, sondern einem Jeden, der es verlangt.

Cap. 19. Von der Messe.


Da nun Christus sein Abendmahl, das man nachher angefangen hat Messe zu nennen, also eingesetzt, daß nämlich in demselben die Gläubigen mit seinem Leibe und Blut zum ewigen Leben genährt, seinen Tod, durch den sie erlöset sind, verkündigen, ihm auf diese Weise danken, und solches Heil auch Anderen empfehlen; so haben unsre Prediger nicht umhin gekonnt, es für verwerflich zu erklären, daß man dieß hin und wieder vernachlässigt, und daß diejenigen, welche die Messe halten, Christum dem Vater als Opfer für Lebende und Verstorbene darzubringen sich bereden, und die Messe zu einem solchen Werke machen, wodurch fast einzig und allein die Gnade Gottes und die Seligkeit erworben werde, die Menschen mögen sonst glauben und leben, wie sie wollen. Daher hat sich auch der schändliche und im höchsten Grade gottlose Handel mit diesem Heiligthum eingeschlichen, und es ist dahin gekommen, daß heutiges Tages nichts einträglicher ist, als die Messe.

Die Unsern haben daher die stillen Messen verworfen, weil der Herr dieß Sacrament für seine Jünger in Gemeinschaft anordnete. Daher gebietet auch Paulus den Corinthern, daß Einer auf den andern beim heiligen Abendmahl warte, und erklärt, daß sie das Abendmahl des Herrn nicht begehen, wenn Jeder sein eigenes Mahl bei Tische zu sich nimmt. Wenn ferner Jene vorgeben, daß sie Christum als ein Opfer darbringen, so haben das die Unsern verworfen, weil der Brief an die Hebräer deutlich bezeugt, wie die Menschen Ein Mal sterben, so sei Christus Ein Mal geopfert, um die Sünden Vieler hinwegzunehmen; er könne so wenig noch ein Mal geopfert werden, als noch ein Mal sterben; und da er das alleinige vollkommene Opfer für die Sünden sei, sitze er auch immerfort zur Rechten Gottes und warte auf das, was noch übrig ist, daß seine Feinde gelegt werden zum Schemel seiner Füße; denn durch Ein Opfer hat in Ewigkeit vollendet Alle, die geheiligt werden. Wenn sie aber aus der Messe ein gutes Werk gemacht haben, wodurch man Alles von Gott erlangen könne, so lehren die Unsern, damit streite, daß die Schrift allenthalben behauptet, wir würden durch den Geist Christi und den Glauben gerecht und der Gnade Gottes theilhaft, worüber die Zeugnisse der Schrift oben angeführt sind. Daß ferner der Tod Christi in der Messe nicht verkündigt wird, davon haben die Unsrigen nachgewiesen, daß es zuwider sei dem Befehl Christi, das Sacrament zu empfangen zu seinem Gedächtniß, und der Ermahnung Pauli, des Herren Tod zu verkündigen, bis er kommt.

Daß aber jetzt von Vielen, ohne allen frommen Sinn, blos um den leib zu nähren, Messe gelesen wird, erklären die Unsern für so verwerflich vor Gott, daß, wenn die Messe an sich nicht mit der Gottesfurcht stritte, sie doch mit Recht und nach göttlichem Befehl abzuschaffen wäre. Das kann man schon allein aus dem Jesaias erkennen. Denn unser Gott ist Geist und Wahrheit, und daher will er nur im Geist und in der Wahrheit verehrt werden. Wie mißfällig aber dem Herrn jene unziemliche Krämerei ist, die sich bei diesem Sacrament eingeschlichen hat, das könne man, lehren die Unsern, schon daraus abnehmen, daß Christus mit solcher Strenge und ganz gegen seine Gewohnheit gewaltsam die Verkäufer und Käufer aus dem Tempel jagte, da es doch schien, als trieben sie ihren Handel nur um der Herbeischaffung der Opfer willen, die nach dem Gesetz dargebracht wurden.

Da nun die Messe, wie sie gefeiert zu werden pflegt, auf so vielfache Weise der Schrift zuwider ist, wie sie auch in jeder Hinsicht abweicht von dem, was die heiligen Väter beobachtet haben, ist sie bei uns sehr nachdrücklich von der Kanzel verworfen, und durch Gottes Wort als so verdammlich dargestellt, daß Viele sie freiwillig aufgegeben, Andere sie auf Befehl der Obrigkeit abgeschafft haben. Das haben wir uns aus keiner anderen Ursache erlaubt, als weil in der ganzen Schrift der Geist Gottes nichts so sehr verdammt und ernstlich abzustellen gebietet, als einen ersonnenen und falschen Gottesdienst. Nun weiß ein Jeder, der nicht ganz ohne Religion ist, welch eine unumgängliche Verpflichtung auf dem Gottesfürchtigen ruht, sobald er überzeugt ist, daß Gott etwas fordere. Denn wie Viele es aufnehmen würden, wenn wir in Ansehung des Gebrauches der heiligen Messe eine Neuerung aufbrächten, war wohl vorauszusehen, und Jeder hätte es lieber vermieden, hierin Deiner geheiligten Majestät, ja, auch nur den kleinsten Fürsten anstößig zu werden. Aber da man auch nicht zweifelte, daß durch jenen Gebrauch der Messe Gott höchlich erzürnt, und seine Ehre, für die man auch das Leben hingeben soll, verdunkelt werde, mußte man ihn abschaffen, um nicht durch Nachsicht selbst der verletzten Ehre Gottes schuldig zu werden. Wenn Gott über Alles geliebt und verehrt worden ist, so können die Frommen nichts weniger dulden, als was er verabscheut. Daß aber diese einzige Ursache uns gezwungen habe, in diesem Punkt eine Veränderung zu wagen, darüber rufen wir den zum Zeugen an, vor dem nichts geheim und verborgen ist.

Cap. 20. Von der Beichte.


Da aber auch das Bekenntniß der Sünden, das aus Frömmigkeit geschieht, von Niemand abgelegt werden kann, den dazu nicht Reue und wahre Betrübniß der Seele treibt, so kann man nicht durch ein Gebot dazu gezwungen werden. Darum haben auch weder Christus selbst, noch die Apostel selbst es gebieten wollen. Aus dieser Ursache ermahnen unsre Prediger, die Sünden zu bekennen, und zeigen, wie nützlich es sei, wenn Jemand bei einem christlichen und verständigen Mann im Stillen Trost, Rath, Belehrung und Ermunterung sucht, aber durch Gebote nöthigen sie Niemand dazu, sondern behaupten, daß solche Gebote der Gottseligkeit Eintrag thun. Denn die Verordnung, daß man dem Priester die Sünden beichten müsse, hat unzählige Seelen in schwere Verzweiflung getrieben, und bringt so manche Nachtheile, daß sie längst hätte abgeschafft werden müssen, und ohne Zweifel wäre abgeschafft worden, wenn die Vorsteher der Kirchen in den letzten Jahrhunderten von demselben Eifer wären erfüllt gewesen, wie der heilige Nestorius, Bischof von Constantinopel2), der die Ohrenbeichte in seiner Kirche abschaffte, weil eine vornehme Frau, die häufig das Gotteshaus besuchte, als wollte sie dem Bußwerk obliegen, eines verbotenen Umgangs mit dem Diaconus überführt wurde. Dergleichen unzählige Verbrechen sind an verschiedenen Orten begangen worden.

Ueberdieß verlangen die päpstlichen Gesetze, daß der, welcher Beichte hören und verrichten soll, so heilig, gelehrt, verständig und mitleidig sei, daß die Wenigsten einen solchen Beichtiger finden können, besonders unter denen, die gewöhnlich zum Beichthören angestellt werden. Auch sind die Lehrer der Theologie der Meinung, es sei besser, einem Laien zu beichten, als einem Priester, von dem man keine Erbauung zur Gottseligkeit erwarten dürfe. Kurz, eine Beichte, die nicht durch ernstliche Reue und wahren Seelenschmerz über die Sünden bewirkt wird, bringt mehr Schaden, als Nutzen. Da nun Gott allein geben kann, daß wir die Sünden bereuen und wahrhaft Schmerz darüber empfinden, sie begangen zu haben, so kann in dieser Angelegenheit nichts Heilsames durch Gebote ausgerichtet werden, wie die Erfahrung bisher mehr als genug an den Tag gelegt hat.

Cap. 21. Von den Gesängen und Gebeten der Geistlichen.


Aus derselben Ursache aber, damit nicht das, was vergeblich etwas Gottesdienstliches sein soll, zu einer Beleidigung Gottes werde, und zwar zu der allergrößten, geduldet werde, haben die Unsern in den Gesängen und Gebeten der Geistlichen Vieles verworfen. Denn es ist allbekannt, daß man von der ersten Einsetzung und dem Gebrauch der Väter abgewichen ist. Denn Niemandem, der die Schriften der Alten gelesen hat, ist es unbekannt, daß sie die Gewohnheit hatten, einige wenige Psalmen und ein Capitel der Schrift mit Nachdruck vorzulesen und zugleich zu erklären, da jetzt viele Psalmen, aber fast ohne Gedanken, abgesungen werden, aus der Lesung der Schrift aber nur die Anfänge der Capitel übrig geblieben sind, vielerlei aber dafür aufgenommen ist, was mehr zum Aberglauben führt, als zur Frömmigkeit. Zuerst also haben die Unsren es als verabscheuungswürdig betrachtet, daß den Gebeten und Gesängen nicht Weniges beigemischt worden, was der Schrift widerspricht, worin den Heiligen zugeschrieben wird, was allein Christo zukommt, nämlich Befreiung von Sünden und anderen Uebeln, und das Vermögen, die Gnade Gottes und alle Arten von Gütern nicht sowohl zu erbitten, als vielmehr zu schenken. Ferner, daß ihrer eine zu große Menge geworden ist, um mit andächtigem Gemüth abgesungen oder hergesagt zu werden; wenn man aber ohne Gedanken zu Gott redet, so ist es nichts, als Gespött. Endlich, daß man daraus verdienstliche Werke gemacht hat, die theuer verkauft werden, zu geschweigen, daß gegen das ausdrückliche Gebot des heiligen Geistes in der Schrift dabei Alles in einer Sprache geredet und gesungen wird, welche nicht nur das Volk nicht versteht, sondern zuweilen auch die nicht einmal, die von jenen Gebeten und Gesängen leben.

Cap. 22. Von Bildsäulen und Gemälden.


Auch gegen Bildsäulen und Gemälde haben die Unsern in Predigten geeifert, besonders darum, weil man angefangen hat, sie öffentlich zu verehren und anzubeten, und vergebliche Kosten darauf zu verwenden, die man dem hungrigen und durstenden und nackten Christus schuldig war, und weil man durch solche Verehrung und diese Kosten, obgleich beides mit dem Worte Gottes streitet, ein Verdienst vor Gott suchte.

Diesem Mißbrauch der Religion hat man auch das Ansehen der alten Kirche entgegengesetzt, der es ein Gräuel war, ein gemaltes oder geschnitztes Bild im Gotteshause zu sehen, wie es hinlänglich bewiesen wird durch eine That, welche Epiphanius, der Bischof zu Salamis in Cypern, von sich selbst erzählt. Als er das Bild Christi oder eines Heiligen, (dessen erinnerte er sich nicht mehr genau,) auf einem Vorhang in einer Kirche erblickte, ward er darüber so aufgebracht, gegen das Ansehen der Schrift und unsrer Religion das Bild eines Menschen in der Kirche hängen zu sehen, daß er den Vorhang sogleich zerriß und die Leiche eines Armen in denselben zu wickeln befahl. Den Brief, worin dieser Gottesmann das von sich selbst bezeugt, und der an Johannes, Bischof von Jerusalem, gerichtet ist, hat der heilige Hieronymus als rechtgläubig ins Lateinische übersetzt und auch nicht mit einem Worte dieses Urtheil des Epiphanius von Bildern als unrichtig getadelt. Hieraus kann man hinreichend schließen, daß weder der heilige Hieronymus, noch der Bischof von Jerusalem andrer Meinung von Bildern gewesen sind.

Denn was man zu sagen pflegt, daß durch Bildsäulen und Gemälde die Ungebildeten belehrt und erinnert werden, das ist kein hinreichender Grund, Gemälde und Bildsäulen zu dulden, zumal, wenn das Volk sie anbetet. Das alte Volk war ungebildeter, so, daß es mit mancherlei Ceremonien unterwiesen werden mußte; allein daß Bilder zur Belehrung und Ermunterung der Ungebildeten dienen sollten, hat Gott so wenig anerkannt, daß Gott vor allen Dingen verbot, dergleichen zu haben. Wollte man sagen, Gott habe Bilder verboten, die man anbete; so folgt eben daraus, daß, weil man vorlängst angefangen hat, sie alle anzubeten, des Anstoßes wegen alle aus den Gotteshäusern weggeschafft werden müßten. Denn in der Kirche muß Alles zur gewissen Erbauung angeordnet sein; am wenigsten darf man etwas dulden, das zum Falle dienen und keinen Nutzen schaffen könnte.

Wenn man einwirft, daß sie zur Erinnerung dienen, so antwortet der heilige Athanasius, indem er die Heiden widerlegt, die durch denselben Vorwand ihre Götzen vertheidigten: Sie mögen doch sagen, wie Gott durch Bilder erkannt wird, ob durch den Stoff, aus dem sie bestehen, oder durch die Form, die man dem Stoffe gegeben hat. Geschieht es durch den Stoff, wozu ist dann die Form nöthig, da, noch ehe sie gebildet ward, Gott aus dem Stoffe zu erkennen war, indem alles von seiner Herrlichkeit zeugt? Ist aber die dem Stoffe gegebene Form die Ursache der Erkenntniß Gottes, was bedarf es dann der Malerei und des Stoffes überhaupt, und wird Gott nicht weit besser aus den Geschöpfen, deren formen die Bilder sind, erkannt werden? Denn in der That, Gottes Herrlichkeit muß sich deutlicher offenbaren, wenn sie aus lebenden Wesen, vernünftigen und vernunftlosen hervorstrahlt, als auch solchen, die weder Leben, noch Bewegung haben. Wenn ihr also zur Beförderung der Gotteserkenntniß Bilder schnitzet oder malet, so ist es etwas ganz Unwürdiges, was ihr thut. So Athanasius. Lactantius sagt auch Vieles gegen diesen Vorwand. Denn dem, der fruchtbar an Gott erinnert werden kann, dienen außer dem Worte der Ermahnung viel wirksamer dazu die wirklichen und lebenden Werke Gottes, als jene leeren, von Menschen verfertigten Bilder.

Da nun Gott sein Urtheil über die Bilder in so vielen Stellen der Schrift sattsam bezeugt hat, so geziemt es uns Menschen nicht, von ihnen Nutzen zu erwarten, da Gott sie als gefährlich zu meiden befohlen hat, besonders, da wir selbst erfahren haben, wie hinderlich sie der Frömmigkeit sind. Den Gebrauch der Bilder an sich erklären zwar auch die Unsrigen für erlaubt, allein ein Christ hat zu untersuchen, was nützt und erbaut, und sich der Bilder da und so zu bedienen, daß sie Niemandem zum Anstoß gereichen. Paulus war bereit, sich den Genuß des Fleisches und des Weines zu versagen, wenn er einsähe, daß dieß auf irgend eine Weise der Wohlfahrt Anderer nachtheilig würde.

Cap. 23. Von der Obrigkeit.


Wir haben oben gezeigt, daß unsre Prediger den Gehorsam gegen die Obrigkeit unter die vornehmsten guten Werke zählen, und lehren, daß Jeder sich um so mehr befleißigen müsse, die öffentlichen Gesetze zu befolgen, je rechtschaffener und gläubiger er in seinem Christenthum sei. Sie lehren ferner, daß das Amt der obrigkeitlichen Personen ein so heiliges sei, wie nur eins von Gott den Menschen übertragen werden könne. Daher werden auch die, welche regieren, in der Schrift Götter genannt. Denn wenn sie ihr amt gehörig und ordentlich verwalten, so steht es um die Lehre und das Leben im Volke wohl; denn Gott pflegt unsre Angelegenheiten so zu ordnen, daß die Wohlfahrt und das Verderben der Unterthanen großen Theils von denen abhängt, die an der Spitze stehen. Daher werden obrigkeitliche Aemter von den besten und frömmsten Christen am würdigsten verwaltet. Daher haben die frömmsten Kaiser und Könige Bischöfe und andere geistliche Personen zu weltlichen Verwaltungszweigen zugezogen. Sie haben darin zwar verständig und gottesfürchtig gehandelt, aber es ist doch darin gefehlt worden, weil jene zur würdigen Verwaltung beider Aemter nicht geschickt sein konnten, und daher entweder bei der Leitung der Kirche in der Predigt des Wortes, oder bei der Verwaltung des gemeinen Wesens im Regiment zu wenig thaten.

Beschluß.


Das sind die Hauptpunkte, Allesunüberwindlichster und Gottseligster Kaiser, worin die Unsrigen, durch das ansehen der Schrift allein bewogen, die mit Recht allen anderen Ueberlieferungen vorzuziehen ist, von der allgemeinen Kirchenlehre abweichen. Das haben wir Deiner geheiligten Majestät, wie es die kürze der Zeit erlaubte, auseinandergesetzt, in der Absicht, Dir, den wir nächst Gott vor Allen verehren, von unsrem Glauben Rechenschaft zu geben, und zugleich zu zeigen, bald und ernstlich zu berathen, wie eine Sache von so großer Wichtigkeit erkannt, erwogen und entschieden werden muß, wie es zuerst die Verehrung Gottes, eine Angelegenheit, die man alle Zeit mit Furcht und Zittern behandeln muß, fordert, wie es ferner Deiner geheiligten Majestät geziemt, der Du wegen Deiner Frömmigkeit und Huld so hoch gerühmt wirst, wie es endlich der sichere und dauerhafte Friede verlangt, nach dem Deine geheiligte Majestät strebt, der aber, da es sich um Glauben und Frömmigkeit handelt, anders nicht erlangt werden kann, als wenn die Gemüther vor allen Dingen von der Wahrheit wohl unterrichtet sind.

Es wäre vielleicht nicht nöthig gewesen, über diesen Gegenstand so ausführlich zu sein, da der Durchlauchtigste Kurfürst von Sachsen und Andere Deiner geheiligten Majestät umständlich und gründlich dargelegt haben, was in unsrer heiligen Religion heutigen Tages streitig ist3). Allein da Deine geheiligte Majestät verlangt hat, daß Alle, denen an dieser Sache gelegen, ihre Meinung vortragen sollten; so haben wir es auch für unsre Schuldigkeit gehalten, Deiner geheiligten Majestät das Bekenntniß dessen, was bei uns gelehrt wird, vorzutragen. Doch diese Sache ist so umfassend, und begreift so viel in sich, daß auch dasjenige, was wir in Beziehung auf beide Theile auseinander gesetzt haben, zu kurz und gedrängt abgefaßt ist, als daß wir hoffen dürften, es werde schon jetzt in diesen Streitigkeiten ein sicheres Urtheil gefällt werden können, das, wenn auch nicht bei Allen, doch bei einer großen Zahl der Glieder der Christenheit Beifall fände. Denn nur Wenige sind, die der Wahrheit huldigen.

Da nun diese Angelegenheit so wichtig ist und so Vieles und Verschiedenes betrifft, und nicht mit Nutzen entschieden werden kann, bevor sie von Vielen geprüft und erforscht ist, so bitten wir Deine geheiligte Majestät und flehen sie aufs demüthigste an um Gottes und unseres Heilandes willen, dessen Verherrlichung Du gewiß vor allen Dingen suchst, daß Du eine allgemeine, freie und wahrhaft christliche Kirchenversammlung so bald als möglich berufen lassest, welches zur Beilegung der kirchlichen Angelegenheit Deiner geheiligten Majestät sowohl, wie anderen Fürsten des heiligen römischen Reichs bisher so nöthig geschienen, daß beinahe in allen Reichsversammlungen, die nach diesem in der Religion erhobenen Zwiespalt gehalten sind, die Commissarien Deiner geheiligten Majestät und anderer Fürsten des Reiches öffentlich bezeugt haben, daß auf keine andere Weise das, was in dieser Sache heilsam ist, zu Stande gebracht werden könne. Daher hat auch auf dem letztem Reichstag zu Speier Deine geheiligte Majestät Hoffnung erweckt, der römische Bischof werden nicht dawider sein, daß bald eine solche Kirchenversammlung gehalten werde.

Sollte sich aber in Zeiten die Gelegenheit zu solch einer allgemeinen Kirchenversammlung nicht finden, so wolle Deine geheiligte Majestät eine sogenannte Provinzialkirchenversammlung der Lehrer jedes Standes und Ranges veranstalten, bei der sich Alle, deren Anwesenheit zu wünschen ist, frei und sicher einfinden können, jeder Einzelne gehört wird, und Männer von bekannter Gottesfurcht, die nichts höher halten, als seine Ehre, Alles erwägen und richten. Denn es ist weltbekannt, mit welcher Sorgfalt sowohl die Kaiser, als die Bischöfe bei der Entscheidung über Streitigkeiten in Sachen des Glaubens verfuhren, obgleich sie oft von weit geringerer Bedeutung waren, als die, welche jetzt Deutschland bewegen, wie sie es keineswegs ihrer unwürdig hielten, denselben Gegenstand zum zweiten und dritten Mal zu untersuchen. Wer den gegenwärtigen Zustand der Dinge beachtet, der wird nicht zweifeln können, daß jetzt mehr Redlichkeit, Ernst, Milde und Geschickt gefordert werde, als jemals zuvor, um das wahre Christenthum wieder herzustellen. Ist die Wahrheit auf unsrer Seite, wie wir mit Zuversicht glauben, wie viel Zeit und Mühe wird es kosten, daß auch diejenigen sie erkennen, ohne deren Beistimmung oder wenigstens Duldung ein sicherer Friede nicht zu Stande kommen kann! Wenn wir aber irren, (und das Gegentheil ist uns nicht zweifelhaft,) so wird ebenfalls nicht geringe Sorgfalt und nicht kurze Zeit erforderlich sein, daß so viele tausend Menschen wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Diese Sorgfalt und diese Zeit darauf zu verwenden, wird nicht mit der Würde Deiner geheiligten Majestät im Widerspruch sein, da es billig ist, daß Du gegen uns die Gesinnung Jesu Christi hegest, der unser Aller Erlöser ist und an dessen Stelle Du uns regierst. Da er in der Absicht gekommen ist, das Verlorene zu suchen und selig zu machen, selbst zur Errettung der Verlorenen den Tod zu leiden, so wird Deine geheiligte Majestät auch bei der Voraussetzung, daß wir von der Wahrheit gewichen wären, doch unbedenklich neun und neunzig Schafe in der Wüste lassen und das hundertste suchen und in den Schafstall Christi zurückführen, das heißt, alles Andere dieser Aufgabe nachsetzen, daß uns wenigen und geringen Leuten die Meinung Christi von alle dem, worüber jetzt gestritten wird, aus der Schrift klar und gewiß gemacht werde.

Wir an unserm Theil werden gelehrig sein, ferne von aller Hartnäckigkeit, wenn wir nur die Stimme unsres Hirten Jesu Christi hören, und Alles, was man von uns verlangt, auf die Schrift, die Alles, was gut ist, lehrt, gebaut wird. Denn wenn es geschähe, daß man nicht daran dächte, für unsre Belehrung Sorge zu tragen, sondern mit Edicten gegen uns verführe, (was wir jedoch nicht fürchten, so lange die Angelegenheit in den Händen Deiner geheiligten Majestät ruht,) so würden viele tausend Menschen in unaussprechliche angst gerathen, die bei der Ueberzeugung, man müsse zuerst Gott gehorchen, die Lehren aber, denen sie folgen, seien auf unbezweifelt göttliche Aussprüche gegründet, über die Worte des Erlösers erschrecken würden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten; wer sein Leben verliert, wird es finden; wer nicht Vater und Mutter rc., ja, sein eignes Leben haßt, der kann nicht mein Jünger sein; wer sich meiner schämt vor diesem verkehrten und ehebrecherischen Geschlecht, dessen werde ich mich auch schämen vor meinem Vater und seinen Engeln, und dergleichen mehr. Von dieser Donnerstimme erschüttert, würden Viele muthig das Aeußerste dulden; Manche würde die Todesfurcht zwar verzagt machen, wenn in dieser Sache nicht Belehrung, sondern ein Befehl, nicht Anzeige des Irrthums, sondern Gewalt angewandt würde, doch nur auf einige Zeit. Denn was eine feste Ueberzeugung in der Religion vermag, und wie sie nicht nur Hab und Gut, sondern das Leben selbst geringschätzen lehrt, das hat man in diesem jahrzehend (um früherer Jahrhunderte nicht zu gedenken) aufs deutlichste an Vielen gesehen, die nicht nur Landesverweisung und Acht, sondern auch Fesseln, Martern und sogar den Tod eher erduldeten, als daß sie von der gefaßten Meinung, die sie für wahr hielten, sich losreißen ließen. Wenn schon bei einem Streite über geringfügige Dinge Wenige sich finden, die man zu einer völligen Uebereinstimmung bringen könnte, ohne sie zu überzeugen, daß die Bedingungen gerecht und billig sind, wie könnte man denn, wenn der Gegenstand der Uneinigkeit die Religion ist, einen wahren Frieden und eine sichere Beruhigung erwarten, wie Deine geheiligte Majestät stiften will, wenn nicht auf beiden Seiten festgesetzt wird, was Gott wohlgefällt und was mit der Schrift übereinstimmt? Denn so wie nach dem Recht und der Sitte aller Völker die Religion allen anderen Dingen vorgezogen wird, so pflegt auch kein Kampf unter den Sterblichen heftiger und härter zu sein, als der für die Altäre und Götter. Da aber Deine geheiligte Majestät gegen Deine Feinde, und zwar gegen solche, die (anderer Dinge zu geschweigen) jede Art der Feindseligkeit geübt haben, so unaussprechliche Milde bewiesen hat, so hegen wir billig die Hoffnung, Du werdest auch in dieser Angelegenheit Alles so leiten, daß man erkenne, Du seiest gegen uns, denen Deine Wohlfahrt und Ehre stets am Herzen gelegen, wie wir durch die That bewiesen haben und künftig zu beweisen sehnlich wünschen, Deine Güte und Leutseligkeit in noch reicherem Maße zu beweisen beflissen. Denn wir haben in dieser Sache Alles so eingerichtet, daß es allen Rechtschaffenen hat klar werden müssen, wie es uns nie in den Sinn gekommen ist, Jemand zu verletzen oder unseren Vortheil mit dem Schaden Anderer zu erkaufen. Wir sind in der That in dieser Sache Gefahr gelaufen, und haben viele Kosten gehabt, aber nicht den geringsten Gewinn, Das Eine ausgenommen, daß wir über die Gnade, welche Gott uns in Christo darbietet, besser belehrt sind und durch Gottes Gnade auf die Zukunft zuversichtlicher zu hoffen angefangen haben. Das aber gilt uns mit Recht so viel, daß wir, da es unschätzbar und Allem, was im Himmel und auf Erden ist, weit vorgezogen werden muß, noch nichts gethan und gelitten zu haben glauben, was dessen würdig gewesen wäre. Nach den Kirchengütern hat uns so wenig verlangt, daß wir bei dem Aufstande der Bauern sie sogar mit großen Kosten und Gefahren vertheidigt haben. Das Evangelium unseres Herrn Jesu Christi ist, so wahr er uns liebt, das Einzige, was uns antreibt und uns zu den anscheinenden Neuerungen bewogen hat. Möge daher Deine geheiligte Majestät dem Beispiel der mächtigsten und glücklichsten Kaiser, Constantin, Jovinian, Theodosius und die ihnen ähnlich waren, folgen, die durch Belehrung, welche täglich von den heiligsten und wachsamsten Bischöfen mit aller Sanftmuth ertheilt wurden, sodann durch ordentliche Berufung von Kirchenversammlungen und gründliche Erwägung aller Stücke, auf die Irrenden wirkten und Alles versuchten, sie auf den rechten Weg zurückzubringen, ehe sie mit Strenge gegen sie verfuhren, und nicht dem Beispiel derer, von denen es bekannt ist, daß sie Rathgeber hatten, jenen alten und wahrhaft heiligen Vätern ganz unähnlich, weßhalb ihre Bestrebungen auch einen der Frömmigkeit jener nicht entsprechenden Erfolg haben mußten. Davon wolle Deine geheiligte Majestät sich nicht durch die Behauptung abwenden lassen, das Meiste von dem, worüber jetzt gestritten werde, sei schon früher, besonders auf der Kirchenversammlung in Kostnitz, entschieden; denn du siehst, daß die Geistlichen von unzähligen ebenso heiligen, als nothwendigen Beschlüssen früherer Kirchenversammlungen nicht das Geringste halten, und daß bei ihnen Alles so ausgeartet ist, daß Jeder, der nur gesunden Menschenverstand hat, zur Wiederherstellung der Religion und der Würde des geistlichen Standes eine Kirchenversammlung für durchaus nöthig erklärt. Wenn Jenen aber das, was zu Kostnitz festgesetzt ist, so gefällt, wie ist es denn zugegangen, daß man unterdessen auf keine Weise hat erlangen können, was doch damals beschlossen ward, daß alle zehn Jahre christliche Kirchenversammlungen gehalten werden sollten? Denn auf diesem Wege hätte viel zur Wiederherstellung oder zur Erhaltung der Gottseligkeit und des Glaubens geschehen können.

Aber wer wollte in Abrede stellen, daß, so oft die Krankheit ausbricht, auch das Mittel angewandt werden müsse, und daß die, welche wirklich im Besitze der Wahrheit sind, nie Bedenken tragen können, sie den Guten vorzutragen und gegen die Bösen sie zu vertheidigen, wo nur irgend einiger Nutzen davon zu hoffen ist? Da nun so viele Tausende in Ansehung der Lehren der Religion in der traurigsten Verwirrung leben, wer wollte leugnen, daß reiche Früchte zu hoffen sind, wodurch Alle, die vom Geiste Christi regiert werden, angetrieben werden müssen, mit Hintansetzung aller anderen Dinge, ohne Mühe und Kosten zu achten, mit allen Kräften nur darnach zu ringen, daß die Lehre Christi, die Quelle aller Gerechtigkeit und Wohlfahrt, sorgfältig erforscht, von allen Irrthümern gereinigt, und in ihrer natürlichen Gestalt Allen, denen die Gottseligkeit und die echte Gottesverehrung am Herzen liegt, vorgetragen werde, wodurch ein heiliger und ewig fester Friede und eine wahre, allgemeine Beruhigung wiederhergestellt und begründet werde, nachdem die Schafe Christi, für die er sein Blut vergossen hat, nur gar zu sehr beunruhigt sind? Dieser Friede kann aber, wie gesagt, auf keine andere Art wiederhergestellt und begründet werden bei denen, die überzeugt sind, daß sie in allen anderen Dingen nachgeben, aber in der Religion so fest an Gottes Wort halten und sich darauf stützen müssen, so daß, wenn sie tausend Seelen hätten, sie eher bereit sein würden, dieselben auf die Schlachtbank zu liefern, als nur Ein Jota oder das kleinste Pünktchen von dem aufzugeben, wovon sie glauben, daß es ein Gebot Gottes sei. Da nun eine einzige Seele mehr werth ist, als die ganze Welt, was geziemt sich dann zum Heil so vieler Tausende zu thun?

Denn da uns eine so große Hoffnung einladet, sowohl, weil die, welche bei Deiner geheiligten Majestät des Irrthums bezüchtigt werden, um nichts Anderes bitten, als um Belehrung, und da sie sich der heiligen Schrift, die zur Widerlegung jedes Irrthums völlig ausreicht, ganz unterwerfen, als auch, weil Christus, unser Erlöser, aufs unzweideutigste verheißen hat, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt wären, wolle er mitten unter ihnen sein, und ihnen Alles gewähren, worüber sie unter einander würden eins geworden sein; so erwähnen wir dieß hier, Gottseligster Kaiser, aus keiner anderen Ursache, als um Deiner geheiligten Majestät zu gehorchen, da es Dein Wille war, daß auch wir unsre Meinung darlegen sollten, wie die Religion gereinigt werden könne. Denn wir leben sonst der Hoffnung, daß Deine geheiligte Majestät selbst schon längst erkannt und eingesehen hat, wie die Noth dazu treibt, was für ein Gewinn dazu reizt, und wie entsprechend der so gepriesenen Frömmigkeit und Gnade Deiner geheiligten Majestät es ist, daß alle Männer von erprobter Gelehrsamkeit und Gottesfurcht zusammenberufen werden, um nach der heiligen Schrift zu beurtheilen, was von den Lehren, über welche jetzt gestritten wird, zu halten sei, damit dieses Allen, die man für im Irrthum befangen hält, von tüchtigen Dienern Christi mit aller Sanftmuth und Treue erklärt werde.

Es ist aber auch dabei zu befürchten, daß es an solchen nicht mangeln werde, die Deine geheiligte Majestät auf andere Gedanken zu bringen versuchen; diesen haben wir gleichsam vor Deiner geheiligten Majestät hiermit antworten wollen.

Dieß und Alles Andere, was wir hier auseinandergesetzt und bekannt haben, nur in der Absicht, die Ehre Jesu Christi, unsres Gottes, nach unsrem Vermögen zu vertheidigen, und Deiner geheiligten Majestät den gebührenden Gehorsam zu beweisen, wolle Deine geheiligte Majestät nach Deiner hochgepriesenen Gnade huldreich aufnehmen und auslegen, und uns als Leute zu betrachten geruhen, die nicht minder als die Vorfahren Dir in tiefster Unterthänigkeit die Treue und Ergebenheit zu bewähren bereit sind, auch wo es erlaubt ist, Gut und Leben zu opfern.

Der König der Könige, Jesus Christus, verleihe Deiner geheiligten Majestät, daß Du dieß und alles Andere zu seiner Ehre vollbringest, er erhalte Dich in Kraft und Wohlergehen lange zum Besten der gesammten Christenheit, und kröne Dich mit Segen. Amen.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen